Don Jon USA 2013 – 90min.

Filmkritik

Gefangen in der Pornoschleife

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Kein Geringerer als Don Juan, der größte Frauenheld der Literatur, steht Pate für den pornosüchtigen Protagonisten im bissig-komischen Regiedebüt des Schauspielers Joseph Gordon-Levitt.

Jon Martello (Joseph Gordon-Levitt) ist ein Macho, wie er im Buche steht: Er stählt seinen Körper, schleppt ständig neue Frauen ab und liebt nichts so sehr wie Pornovideos aus dem Internet. Als der junge Mann jedoch der verführerischen Barbara (Scarlett Johansson) begegnet, fühlt er sich zum ersten Mal bereit für eine Beziehung. Auch wenn Jon sie liebt und auf ihren Wunsch hin eine Abendschule besucht, um beruflich voranzukommen, kann er auf den täglichen Pornokonsum nicht verzichten. Was Barbara nicht lange verborgen bleibt.

Hat man bei vielen auf den Regiestuhl wechselnden Schauspielern das Gefühl, sie suchten durch ihre Werke vor allem Selbstbestätigung, legt Joseph Gordon-Levitt in seinem Debütfilm einen erfreulich spielerischen Eifer an den Tag. Schnell geschnitten prasseln zu Beginn mediale Bilder, die Frauen als Objekte männlicher Begierde inszenieren, auf den Zuschauer ein. Die Stoßrichtung ist klar: Stereotype Anschauungen zum Verhältnis der Geschlechter und die Auswirkungen unserer heutigen Mediengesellschaft sollen mit ironischem Anstrich beleuchtet werden.

Das verdeutlicht nicht zuletzt die vom Regisseur verkörperte Hauptfigur. Ein selbstverliebter, von Sexvideos besessener Casanova, der nur vermeintlich eindimensional gezeichnet ist. So putzt Jon gerne die eigene Wohnung und verpasst nie den sonntäglichen Kirchgang mit der Familie. Dass er trotz seines immensen Erfolgs bei Frauen nur während des Pornokonsums wirkliche Befriedigung findet, wirft ein zusätzlich ambivalentes Licht auf seinen Charakter.

Mangelnde Kommunikation und Objektfixierung werden auch am Beispiel Barbaras gespiegelt, die den neuen Partner mehr und mehr nach ihren eigenen Vorstellungen formen will, wobei sie nicht selten auf überzogene Männlichkeitsideale aus Hollywood-Filmen zurückgreift. Für eine gänzlich andere, eher pragmatische Perspektive steht Esther (Julianne Moore), eine deutlich ältere Frau aus der Abendschule, die zu Jon ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen versucht.

Obschon das mit gewollt überdeutlichen Bildern arbeitende Regiedebüt eine Reihe herrlich komischer Szenen hervorbringt, kann der überspitzt-provokante Ton die konventionellen Elemente der Geschichte keineswegs verdecken. Jenseits seiner erfrischenden Ideen ist Don Jon auch eine romantische Komödie, die im überhastet wirkenden letzten Drittel einen etwas oberflächlichen Erkenntnisgewinn des Protagonisten propagiert.

12.03.2014

3

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Kommentare

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dulik

vor einem Jahr

Eine überraschend gute Draufgänger-Komödie über den Playboy "Jon Martello", der scheinbar den Traum eines jeden Mannes lebt, indem er nahezu jede Frau im Handumdrehen erobern kann. Die wahrhaftige Befriedigung findet er jedoch nur beim Konsumieren seiner geliebten Pornos. Der Film ist witzig, kurzweilig und sogar ein bisschen ergreifend. Fraglich ist nur, weshalb eine weltklasse Schauspielerin wie Brie Larson hier eine derart überflüssige Rolle erhalten hat. Diese hätte als Schwester des psychisch angeschlagenen Womanizers nämlich eine Schlüsselrolle haben können. Stattdessen beschloss man, sie nur an ihrem Smartphone herumdrücken zu lassen.
7/10Mehr anzeigen


Barbarum

vor 4 Jahren

Gelungenes Spielfilmdebut von Gordon-Levitt irgendwo zwischen RomCom und Sozialdrama, mit tollem Cast, auch wenn die meisten der Figuren mehr wie Abziehbilder wirken, denn wie wirkliche Charaktere.


julianne

vor 6 Jahren

Der Film zeigt die Realität gut umgesetzt wirres Ende!!!! Aber gut!!!!!!


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