Carrie USA 2013 – 100min.

Filmkritik

Frisches Blut fürs Kino

Cornelis Hähnel
Filmkritik: Cornelis Hähnel

Mit Carrie legte Stephen King 1974 den Grundstein für eine beispiellose Karriere. Mit mehr als 400 Millionen verkauften Büchern hat er nicht nur die Literaturwelt im großen Maße beeinflusst. Viele seiner Romane wurden für die große Leinwand adaptiert. 1976 verfilmte Brian De Palma Carrie und schuf damit einen Klassiker des Horrorfilms. Fast vier Dekaden später wagt sich Regisseurin Kimberly Pierce an eine Neuverfilmung von Kings literarischem Debüt.

Carrie (Chloë Grace Moretz) ist eine Außenseiterin: In der Schule wird das schüchterne Mädchen ständig von ihren Mitschülerinnen gemobbt, zu Hause macht ihre fanatisch-religiöse Mutter (Julianne Moore) ihr das Leben zur Hölle. Doch bald entdeckt Carrie, dass sie wirklich anders ist: Sie kann Dinge mit der Kraft ihrer Gedanken bewegen. Als der Abschlussball naht, ahnt noch niemand, wie infernal er enden wird.

Es ist immer ein Wagnis, eine bereits verfilmte Geschichte erneut auf die Leinwand zu bringen, denn ein Vergleich mit dem "Original" ist dabei unausweichlich. Und die Vorbehalte sind umso größer, wenn die erste Version zu einem Kultfilm geworden ist. Von daher ist es wichtig zu erwähnen, dass Kimberly Pierce kein Remake des De Palma-Klassikers, sondern eine Neuverfilmung des King-Romans gedreht hat. Dafür hat sie die literarische Vorlage behutsam in die Gegenwart transportiert, ohne dabei den Modernisierungsgedanken überzustrapazieren. So ist etwa die Digitalisierung der Gesellschaft logisch in die Geschichte eingebaut worden, ohne dabei die Ausgangssituation zu verzerren oder völlig zu verändern.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist, dass dem Aspekt der Telekinese in der Neuverfilmung nun mehr Platz eingeräumt wird. Doch diese Momente sind wohl dosiert und nicht so brachial eingesetzt, wie das virale Marketingvideo im Vorfeld vermuten ließ. Denn obwohl es dieses Mal mehr Special Effects gibt, setzt auch Pierce auf einen subtil steigenden Spannungsbogen und erzählt - trotz übersinnlicher Elemente - letztlich ein klassisches Außenseiterdrama, bei dem die Sympathien durchweg bei Carrie liegen. Dazu trägt Chloë Grace Moretz einen großen Teil bei, die den Vergleich mit Sissy Spacek problemlos standhalten kann. Gekonnt spielt sie die Wandlung vom verletzten Opfer zum wütenden Racheengel und lässt den Zuschauer dabei an ihrer Seite bleiben. Und auch das spricht für die Qualität des Films, denn obwohl das Finale des Films allseits bekannt ist, vermag es Pierce mit ihrer Inszenierung zu fesseln.

Carrie ist eine gelungene Neuinterpretation des Klassikers für die nächste Generation, doch auch für den Rest lohnt sich ein Blick auf die Frischzellenkur. Ein wenig frisches Blut hat noch niemanden geschadet. Naja, fast niemanden.

26.11.2013

3

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Kommentare

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Travelmichi

vor 7 Jahren

Meiner Meinung nach besser als das Original, das Remake orientiert sich näher an der Buchvorlage von Stephen King. Schauspielerische Leitung ebenfalls Top. Chloë Grave Moretz und Julianne Moore spielen sich fast gegeneinander aus.
Absolute Empfehlung


Latino_de_Espana

vor 7 Jahren

Spannende Geschichte!


virtale

vor 8 Jahren

Naja, hatte mehr erwartet, auch wenn ich das Original nicht kenne.


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