Captain Phillips USA 2013 – 134min.

Captain Phillips

Filmkritik

Woody und die Piraten

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Der amerikanische Schiffskapitän Richard Phillips (Tom Hanks) steuert riesige Containerfrachter der Ostküste Afrikas entlang. Eines Tages wird sein Schiff von somalischen Piraten überfallen. Ihr Ziel: Sie wollen Lösegelder in Millionenhöhe erpressen. Als sich Phillips jedoch querstellt, wird er von den Piraten als Geisel genommen.

Captain Phillips setzt eine profunde Kenntnis des Konflikts in Somalia voraus. Im Film von Bourne-Regisseur Paul Greengrass wird nur angedeutet, dass die Piraten nicht für sich selbst, sondern für einen Warlord arbeiten. Auch nur nebenher wird erwähnt, dass es in Somalia keine Fischer mehr gibt. In erster Linie mangels Kontrolle: Die ausländischen Frachter kippen ihr Giftmüll einfach ins Meer. Kennt man die Hintergründe nicht, sind Muse und seine Piratengruppe - so gut sie auch gespielt sind - nur eindimensonale Banditen, die im Auftrag Anderer ein Schiff kapern und Lösegeld erpressen.

Auch die Figur des Kapitän Philipps hat etwas wenig Fleisch am Knochen. Eine Diskussion mit der Ehefrau (Catherine Keener) auf dem Weg zum Flughafen soll Phillips als liebenden Ehemann und Vater einführen. Aber weshalb er mit soviel Überzeugung um das Schiff und seine Fracht kämpft, bleibt schleierhaft. Die Piraten haben Gewehre - die Schiffscrew nicht. Dabei stammt sie aus einem Land, in dem das Recht, Waffen zu tragen, in der Verfassung verankert ist. Der Kapitän hat nichts, mit dem er sich verteidigen könnte - ausser einigen Leuchtpistolen und Wasserwerfern. Manchmal scheint es, als wäre der Film ursprünglich eine Stunde länger gewesen, aber Paul Greengrass habe ihn derart kürzen müssen, dass die Details der Story der Schere zum Opfer gefallen sind. Oder hatte man vielleicht aus Angst, mit einer Message das Publikum zu verscheuchen, alle interessanten Passagen herausgeschnitten?

Tom Hanks spielt Phillips am Rande eines Nervenzusammenbruchs, fast unfähig, seinen Namen auszusprechen oder zu sagen, wo es weh tut. Man fühlt, weint sogar mit ihm, aber wundert sich gleichzeitig: warum eigentlich? Denn wir kennen diesen Mann zu wenig, als dass wir uns mit ihm identifizieren könnten. Aber: Diese Gefühle sind Hanks' Meister-Leistung zu verdanken, die ihm verdienterweise eine Oscar-Nomination einbringen wird.

06.11.2013

3

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Kommentare

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frozone

vor 10 Monaten

Ohne grossen Schnickschnack und packend inszeniert Paul Greengrass. Tom Hanks spielt grossartig.


Barbarum

vor 3 Jahren

Spannend und gut gespielt.


Schlosstaube

vor 5 Jahren

Ich fand den Film nicht wirklich spannend. Ein paar gestörte auf dem Schiff und sonst passierte nichts was nicht vorhersehbar war.


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