Blind Dates Georgia, Ukraine 2013 – 99min.

Blind Dates

Filmkritik

40, ledig und Georgier

Filmkritik: Andrea Wildt

Dieser Film ist eine Seltenheit. Nicht nur weil er aus Georgien kommt und auch dort spielt, sondern weil er eine skurrile Welt aus Liebenden und schlagfertiger Melancholie gegen Geschlechter-Klischees auffährt. Zum Schmunzeln, Treibenlassen und Mitschwingen.

Sandro (gespielt von Andro Sakhvarelidze) kommt in die Vierziger und lebt noch immer bei seinen Eltern in Tiflis. Um endlich die Frau des Lebens kennenzulernen, trifft der schweigsame Lehrer zusammen mit seinem besten Freund fremde Frauen aus der Provinz. Als er sich auf einer Reise ans Meer in die hübsche Manana (Ia Sukhitashvili) verliebt, scheint er endlich die Gesuchte gefunden zu haben. Doch dann wird Mananas Ehemann aus dem Gefängnis entlassen.

Blind Dates gehört zu diesen Filmen, für die man erst ein eigenes Genre definieren müsste: Wenige Worte, dafür viel Melancholie und ein scharfsinniger Humor umgarnen das gesellschaftskritische Sujet, das der georgische Filmemacher Levan Koguashvili mit seinen zwei Junggesellen der sogenannten "verlorenen Generation" erzählt – eine heute erwachsene Jugend, der zwischen Kriegen und ständigen Machtwechseln in Georgien, die Perspektive abhanden kam.

Das Reizvolle an der doch recht universellen Geschichte von Blind Dates ist, dass sie moralisch noch albern daherkommt. Vielmehr setzt der Film auf der visuellen und der dramaturgischen Ebene Akzente, die ihn aus der Masse herausstechen lassen: Da ist u.a. die Leidenschaft der beiden Junggesellen für Fussball, insbesondere Frauenfussball. Oder ihre aparte Kommunikation mit dem weiblichen Geschlecht, welche gelegentlich an den wortkargen Humor des finnischen Regisseurs Aki Kaurismäki erinnert. Oder aber die menschenarmen Orte, die mit ihrem Charme, ihrer Kargheit und ihren ausgebleichten Farben das Geschehen emotionell irgendwo zwischen erloschenem Kommunismus und einem fern ersehnten Europa situieren. Diese bewegende Mischung aus Melancholie, Gesellschaftskritik und schwarzem Humor macht Blind Dates zu einer sanft schimmernden Perle auf der Kinoleinwand.

Ein Film aus Georgien ist eine Seltenheit in Schweizer Kinos. Selbst aktuell erfolgreiche Filme wie das Coming-of-Age-Drama Die langen hellen Tage oder der Dokumentarfilm The Machine which makes everything disappear haben es bisher nicht in die heimischen Säle geschafft. Dabei erfreut sich das heimische Filmschaffen gerade einer ansehnlichen Blüte. Blind Dates beweist dies mit seiner skurrilen Geschichte und seiner humorvollen Gesellschaftsanalyse auf sehr unterhaltsame Weise. Eine Annäherung an ein vielschichtiges Land, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

15.10.2014

4

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Kommentare

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Janissli

vor einem Jahr

Herzliche Darstellung eines 40jährigen Singles der zwar seine Traumfrau doch noch findet, sie aber dennoch nicht so einfach erobern kann. Leider dennoch ziemlich lascher Film mit eher wenig Unterhaltungswert.


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