Au bout du conte Frankreich 2013 – 93min.

Filmkritik

Au bout du conte

Michael Lang
Filmkritik: Michael Lang

Das reale Leben ist kein Märchen, aber zuweilen hilft Märchenhaftes weiter, um das Leben zu meistern. Das zeigt das hübsche filmische Beziehungspuzzle von Agnès Jaoui (Le goût des autres). Sie spielt darin eine Schlüsselrolle, genau wie ihr Ko-Drehbuchautor Jean-Pierre Bacri als Vater eines jungen Musikers in Liebesnöten.

Die Handlung ist im Theater- und Musikmilieu der Metropole Paris angesiedelt. Im Fokus ist ein junges Paar, das nicht zu knapp in amouröse Gefühlsturbulenzen schlittert. Sandro (Arthur Dupont) wirkt, um im Märchenjargon zu bleiben, dabei wie ein charmanter Prinz. Er stottert ein bisschen, ist schüchtern und sehr sympathisch. Als talentierter Komponist und Interpret moderner klassischer Musik hat er auch Verehrerinnen. Eine zurückhaltende, aber reizende, spielt in seinem Ensemble Violine.

Doch der junge Mann erliegt dem offensiven Werben der schönen, schwärmerischen Laura (Agathe Bonitzer), einer Tochter aus reichem Haus. Das Feuer der Leidenschaft lodert, doch bald zeigt sich, dass dieses Prinzesschen wankelmütig und unreif ist. Kaum taucht nämlich der notorische Schürzenjäger Maxime (Benjamin Biolay) auf, wird es brenzlig. Er ist ebenfalls im Musikgeschäft tätig und empfiehlt sich, Sandros Karriere professionell zu fördern. Eigentlich wäre das eine gute Idee. Doch der elegante Beau entpuppt sich als böser Wolf, verführt Laura ohne grossen Aufwand und bricht seinem neuen Schützling das Herz.

Irrungen und Wirrungen zuhauf, und eine Lösung scheint kaum denkbar. Schon deshalb nicht, weil in diesem Film etwas gar viele Storys erzählt werden und man als Zuschauer Gefahr läuft, die Übersicht zu verlieren. Die dramaturgischen Nebel lichten sich zum Glück immer dann etwas, wenn Marianne (von Regisseurin Agnès Jaoui einnehmend gespielt) auftaucht. Sie ist eine Märchenstück-Leiterin an einem Kindertheater und weiss, was auf dem weiten Feld von Schein und Sein, Glaube und Aberglaube abgehen kann. Gut, dass bei dieser lebensklugen und warmherzigen Frau die Beziehungsfäden zusammenlaufen und sie zur guten Fee für alle wird.Dem bewährten Autorenduo Jaoui und Bacri gelingt ein melancholisch-heiterer Film, der augenzwinkernd die Launen, Listigkeiten und Herzflattereien der Liebe abhandelt und einem sogar dann und wann einen Spiegel vorhält: Manches Fettnäpfchen, in welches die Filmfiguren blauäugig, überskeptisch oder schlicht fahrlässig tapsen, kommt einem aus eigener Erfahrung durchaus bekannt vor. Ja, doch: Au bout du conte ist eine märchenhafte, aber auch lebensnahe Komödie.

17.07.2013

3

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Kommentare

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Somboun

vor 7 Jahren

Stereotypen, lahme Geschichte, eine sehr belanglose Komödie, deren Seichtheit unübertroffen ist.


khamny

vor 7 Jahren

Gar nicht lustig.


kurusaua

vor 7 Jahren

gut.


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