Taken 2 Frankreich 2012 – 91min.

Filmkritik

Entführer als Wiederholungstäter

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Liam Neeson muss mal wieder seine ganz besonderen Fähigkeiten zum Einsatz bringen. Das ist nicht neu, aber in diesem Sequel zum erfolgreichen Erstling ist praktisch nichts neu. Wenn man davon absieht, dass man sich diesmal nicht in Paris, sondern in Istanbul befindet.

Anderthalb Jahre sind vergangen, seit Bryan Mills (Liam Neeson) seine Tochter aus den Händen von Mädchenhändlern gerettet hat. Nun will der Vater eines der dabei getöteten Männer Rache üben und plant, Mills und seine Frau in Istanbul zu entführen. Das gelingt ihm auch, weswegen der Ex-Agent gezwungen ist, auf die Hilfe seiner Tochter zu vertrauen, um aus dieser misslichen Lage freizukommen. Um seine Familie zu schützen, muss Mills die Männer, die hinter ihnen her sind, zur Strecke bringen.

Taken 2 ist der Typ Sequel, der überflüssiger nicht sein könnte. Neue Ideen sucht man hier vergeblich, stattdessen wird das Original schamlos kopiert. Die wenigen Unterschiede sind so marginaler Natur, dass sie kaum der Rede wert sind. Zwar mag es neu erscheinen, dass diesmal Neesons Figur selbst entführt wird, aber das ist nur von kurzer Dauer. Zudem ergeben sich dadurch auch einige besonders abstruse Momente, denn als er mit seiner Tochter per Telefon kommuniziert, trägt er ihr auf, mitten im belebten Istanbul mehrere Handgranaten zu zünden. Der Agent mit dem scheinbaren Supergehör kann anhand der Explosionen abschätzen, wie weit weg das Töchterchen ist.

Selbst die Action hat nicht mehr die Durchschlagskraft des Originals. Das mag daran liegen, dass Liam Neeson auch nicht jünger wird, oder schlicht dem hektischen Schnitt geschuldet sein. Zu oft erscheinen Kampfsequenzen jedoch wirr. Im Besonderen gilt dies für den Schlusskampf, der auf einer unfreiwillig komischen Note endet. Abgestandenen Dienst nach Vorschrift liefert Rade Serbedzija ab, der schon zu oft unausgegorene osteuropäische Schurken gespielt hat. Eine Herausforderung ist dies für ihn nicht – die Lustlosigkeit, mit der er spielt, kann man ihm buchstäblich vom Gesicht ablesen.

Oberflächlich kann Taken 2 unterhalten, da der Film ohne überflüssiges Fett einfach flott erzählt ist, aber die Defizite an Geschichte und Umsetzung sorgen dafür, dass der Film in sich zerfällt. Wo man ob der geradlinigen, aber mitreißenden Unterhaltung des Originals mit Wohlwollen zurückblickte, bleibt hier nur Ärger.

15.10.2012

3

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Kommentare

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Barbarum

vor 8 Jahren

Beinahe alles, was den ersten Streifen zu so einem Adrenalinrausch gemacht hat, ist verloren gegangen. Der Schnitt ist eine Zumutung und die Story einfach nur lächerlich. Einzig Liam Neeson reisst den Streifen raus.


oscon

vor 8 Jahren

Auch wenn ich für meine Rezension ev. viele kritische Stimmen hören werde: Mir gefällt die Geschichte um Liam Neeson als Ex-Agent, der dieses Mal selber Opfer einer Entführung wird.
Obwohl die Geschichte tendenziell praktisch dem ersten Teil entspricht, wirkt sie (auch aufgrund von Instanbul als Location) nie langweillig, da überraschende Komponenten eingebaut werden (Stichwort: Ortung durch Schall).
Liam Nesson spielt kraftvoll, die Bösewichte weisen meist unbekannte Gesichter auf, was authentischer wirkt: Action, was will man mehr? 4 Sterne (****)Mehr anzeigen


MrsStraciatella

vor 8 Jahren

nicht so gut wie der erste Teil aber auch ganz gut


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