Snow White and the Huntsman USA 2012 – 127min.

Filmkritik

Schneewittchen Reloaded

Filmkritik: Cindy Hertach

Der Märchen-Klassiker "Schneewittchen" wird von Regie-Newcomer Rupert Sanders als bildgewaltiges Fantasy-Epos mit Oscar-Preisträgerin Charlize Theron und Twilight-Star Kristen Stewart verfilmt. Der Kampf zwischen der schönen Prinzessin und ihrer bösen Stiefmutter findet in einem düster-märchenhaften Setting statt, das Peter Jacksons Mittelerde zum Verwechseln ähnlich sieht.

König Magnus (Noah Huntley), Vater von Schneewittchen (Kirsten Stewart), regiert ein blühendes Reich, das eines Tages von einer geheimnisvollen Armee angegriffen wird. Magnus gelingt es, die fremden Krieger zurückzudrängen und aus deren Gewalt die wunderschöne Ravenna (Charlize Theron) zu befreien, die er sogleich heiratet. Um alleine über das Märchenland herrschen zu können, ermordet Ravenna ihren Mann noch in der Hochzeitsnacht. Da die grausame Königin ewig leben will, muss sie Schneewittchens Herz verspeisen. Im letzten Moment entkommt die jungen Prinzessin ihren Häschern und kann sich in den gefürchteten Dunklen Wald flüchten. Um sie aufzuspüren, entsendet Ravenna einen Jäger (Chris Hemsworth). Indem dieser sich jedoch gegen die böse Königin und für Schneewittchen entscheidet, verändert sich das Schicksal des ganzen Märchenlandes.

Gemessen an den regelmässig erscheinenden filmischen Neuinterpretationen, scheint die Popularität des Märchen-Klassikers "Schneewittchen" nach wie vor ungebrochen. Erst kürzlich hat der indische Regisseur Tarsem Singh (Immortals) mit Mirror, Mirror eine unkonventionelle Fassung des Klassikers inszeniert, die beinahe gleichzeitig mit Snow White and the Huntsman in den Kinos gezeigt wird. Was bei Singh aber heiter bis albern und im bunten Technicolor-Look der 1950er-Jahre daherkommt, findet im Spielfilmdebüt von Rupert Sanders ein düsteres Gegenstück.

Mit seiner "Schneewittchen"-Verfilmung beweist der ehemalige Werbefilmer, längst bekannte Inhalte souverän in eine zeitgemässe und publikumstaugliche Form verpacken zu können. Sanders verlässt in seiner modernen Darstellung sämtliche bereits begangenen erzählerische Pfade des beliebten Märchens und transformiert die Geschichte in einen actiongeladenen und epischen Fantasy-Film mit einer emanzipierten Hauptfigur. Diese ist schon lange nicht mehr für den Haushalt der sieben Zwerge zuständig, sondern stellt sich ihrer Widersacherin mit dem Schwert entgegen. Für diesen Kampf zwischen Gut und Böse dienen Sanders ganz offensichtlich Filme wie Lord of the Rings, Princess Mononoke oder Joan of Arc als Inspirationsquelle, wenn nicht sogar - was Figuren oder Szenen betrifft - als direkte ästhetische Vorlage. Von diesem auffälligen Sammelsurium an berühmten Versatzstücken vermag der Film aber durch aussergewöhnliche Bildopulenz und stimmige, märchenhaften Kitschmomenten erfolgreich abzulenken.

17.02.2024

3

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Kommentare

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8martin

vor einem Jahr

Dieser unterhaltsame Mix aus so vielen verschiedenen Töpfen lässt den einen beim Wiedererkennen die Herkunft der Ereignisse genießerisch goutieren, den anderen mit Interesse der spannenden Handlung folgen. Die Basis sind zunächst einmal die Gebrüder Grimm und das in mehrfacher Hinsicht. Wegen der Zwerge ist etwas vom Schneewittchen drin aber auch etwas vom Schneeweisschen. Unverkennbar lugt auch Tolkien durchs Geäst des Geschehens. Von den bekanntesten unter den Hobbits sei nur Ray Winstone, Eddie Marsan und Bob Hoskins erwähnt. Und was den Film noch zusätzlich so attraktiv macht, ist die Animation. Hier lehnt er sich an die Wasserschlange mit menschlichem Antlitz aus Camerons Abyss an. Es ist die Variante mit fließendem Gold und dem ‘Spieglein, Spieglein-Effekt‘. Die Figuren aus schwarzen Schnipseln, die sich je nach Lage nebulös auflösen oder wie ein Schwarm von Staren Formationsflug üben, ist mal was anderes. Neben Facetten von Mystery und Vampirismus sind es aber auch die drei Hauptfiguren, die den Film darstellerisch besonders beeindruckend tragen. Der Jäger Eric (Chris Hemsworth) macht den Ritter ohne Furcht und Tadel. Es ist aber vor allem der Antagonismus der beiden ‘Königinnen‘, der das Geschäft belebt. Gegen die böse alte Queen Ravenna (Charlize Theron) kämpft die junge Snow White (Kristen Stewart) mit ihrer Jugend an. Bei diesem Duell siegt natürlich typisch Märchen das Gute. Als alte unterlegene Queen Ravenna vergeht ihre blühende Schönheit am Ende, was bei Charlize beeindruckende Verwandlungen hervorruft. Sie kann ja auch sooo hässlich werden (vgl. ‘Monsters‘). Und das Ende ist das Tüpfelchen auf dem i: kein finaler Kuss sondern ‘…und wenn sie nicht gestorben sind…‘ Nichts Neues, aber trotzdem fühlt man sich gut unterhalten.Mehr anzeigen


frozone

vor 8 Jahren

Selten so eine kindische Story aufgetischt bekommen...


Urs23

vor 11 Jahren

Eine weitere Schneewittchen Story Verfilmung. Kann man sich anschauen, man verpasst aber auch nichts, wenn mans sein lässt.


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