Les infidèles Frankreich 2012 – 109min.

Filmkritik

Was Männer wollen

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Sieben Regisseure erzählen in diversen Begebenheiten, was Männern Lust und Frust macht, wie sie schamlos Seitensprünge arrangieren, Frauen flachlegen - und manchmal selber flach rauskommen. Ein Episodenfilm mit französischem Charme, komischen, aber auch peniblen Situationen.

Fred (Jean Dujardin) und Greg (Gilles Lellouche) sind dick befreundet, ziehen nachts gern mal um die Häuser. Oder besser: durch diverse Pariser Clubs, um Frauen aufzureissen. Sie gehen so oft fremd wie andere Männer ihre Unterwäsche wechseln, geben sich gegenseitig Alibis und haben ihren Spass. Als dann doch eine Ehefrau den treulosen Gatten entlarvt, büxen die beiden Schwerenöter einfach nach Las Vegas aus, um dort unkontrolliert so richtig auf den Putz zu hauen.

Das ist schon die letzte Episode in dem Film, an dem insgesamt sieben Regisseure mitgewirkt haben. Ganz zum Schluss machen die beiden Sex-Hasardeure zwischen Casino und Partygirls eine neue sexuelle Erfahrung. Gilles Lellouche und Oscarpreisträger Jean Dujardin (The Artist) spannen quasi den Bogen über der Seitensprünge und Betrügereien. Das Duo führt beim letzten Akt auch Regie. Der Schlusspunkt entpuppt sich allerdings als Schwachpunkt in diesem Sexreigen der Treulosen.

Beispiele: Familienvater Laurent (Dujardin) erhofft sich an einer Tagung ein sexuelles Abenteuer. Doch der aufdringlich-plumpe Anmacher muss einen Korb nach dem andern hinnehmen. Rollstuhlfahrer Antoine (Lellouche) hingegen kriegt, was Laurent begehrt: Frauen. Michel Hazanavicius (The Artist) drehte die Episode "La bonne conscience" mit sichtlich boshaftem Vergnügen. In "Lolita" (Regie: Eric Lartigau) hält sich ein Zahnarzt eine Geliebte im Teenageralter (Clara Ponsot). Er meint, er könne sich Zuneigung kaufen, Liebe gar, und erlebt sein persönliches Waterloo. Dann gibt den Club der «Les infidéles anonymes», wo sich Männer als sexhungrige Typen outen. Er wird von der resoluten Marie-Christine (Sandrine Kiberlain) geleitet. Ein amüsantes ironisches Intermezzo, inszeniert von Alexandre Courtes.

Das Panoptikum um Treulose und "Triebtäter", um Frauen als Objekte selbstsüchtiger maskuliner Begierden ist eben so schillernd und schusselig wie die Mannsbilder. Der Episodenfilm mit sehr französischem Charme, der sich teils verzettelt, teils im Ablauf irritiert, enthält sich moralischer Entrüstung. Er haut die Männer in die Pfanne, ganz nach dem Motto "Männer sind Schweine". Das mag man lustig finden oder ärgerlich. Les infidèles schwankt zwischen Ernsthaftigkeit und Sex-Ironie, provoziert ein bisschen, kitzelt aber letztlich nur oberflächlich. Das Fazit: Die Männer sind trübe Tassen, die den Kopf in der Hose tragen.

18.07.2012

3

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Kommentare

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erb

vor 8 Jahren

überraschend differenzierter Umgang mit dem Thema Seitensprung.


1aschi

vor 8 Jahren

typische französische komödie mit feinem humor.
leider sind solche filme im fernsehen, wie auch im kino rar geworden.


seeyouto

vor 8 Jahren

Naja.......

keine Vorbilder


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