Fraktus Deutschland 2012 – 95min.

Filmkritik

Oh-oh-oheoh!

Urs Arnold
Filmkritik: Urs Arnold

29 Jahre nach This is Spinal Tap zieht Fraktus die Musikindustrie auf Deutsch durch den Kakao. Da macht selbst Dieter Meier mit.

"Affe sucht Liebe / Affe sucht Halt / Affe sucht Wärme / sonst wird Affe kalt" - hochintellektuelle Textpassagen wie diese, versetzt mit wabernden Synthies und verqueren Klängen aus selbstgebauten Instrumenten machen Fraktus anfangs der Achtziger-Jahre zu den Vorreitern der Technobewegung. Nach einigen Jahren im Untergrund ist die Band 1983 bereit, mindestens die Welt zu erobern. Soweit aber kommt es nicht: Bei einem Konzert in Hamburg fängt die Bühne Feuer - der Club brennt nieder, zugleich wird auch Fraktus’ Existenz vaporisiert.

Fast forward ins Jahr 2012: Musikmanager Roger (Tatort-Kommissar Devid Striesow) will das grosse Comeback von Fraktus einfädeln. Keine leichte Aufgabe, herrscht zwischen den Musikern doch seit der Trennung Funkstille. Keyboarder Torsten Bage (Heinz Strunk) ist nun Proletendisco-King auf Ibiza. Sänger Dickie Schubert (Rocko Schamoni) führt ein Internetcafé. Sound-Frickler Bernd Wand (Jacques Palminger) arbeitet im Optiker-Laden der Eltern. Jeder lebt in seinem eigenen Gärtchen - Roger bringt es dennoch fertig, die drei wieder gemeinsam ins Studio zu bringen. Doch bald wird ihm klar, dass vom einstigen Zauber der Elektro-Pioniere nicht mehr viel übrig ist.

In Tat und Wahrheit stecken auch hinter "Fraktus" Pioniere: Ende der Neunziger fingen die Hamburger Ulknudeln von Studio Braun an, die Idee des Telefonscherzes einzudeutschen. Später folgten gelungene literarische Einzelleistungen von Strunk und Schamoni (Fleisch ist mein Gemüse, Dorfpunks), einige Theaterstücke und nun der erste gemeinsame Film. Stets ein Faible für Musik habend, nimmt hier das Trio unter der Regie von Lars Jessen genüsslichst die Industrie aufs Korn. Künstlerische Eitelkeiten, absurde musikalische Ergüsse und die Verhöhnung der unsäglichen Reunion-Kultur blähen das parodistische Segel von "Fraktus" prallvoll mit Wind.

Nun ist "Fraktus" bestimmt kein Film, der nach Schauspielbewertungen schreit – die Prominenz wie Scooter-Frontmann H.P. Baxxter, Dieter Meier oder Jan Delay spielt sich bei der Lobhudelei über die Band ohnehin selbst. Humor ist hier die einzuordnende Kapazität, und den zu verstehen ist nicht nur musik-affinen Zuschauern vorbehalten. Brüllend komisch ist diese Mockumentry immer und immer wieder, wenngleich sie die subtile Brillanz des grossen Übervaters This is Spinal Tap nicht erreicht. Dafür ist das Ganze öfters mal zu flapsig inszeniert und offensichtlich der Authenzität abgewandt. Als eigenständiges Werk wie auch als Ansatzpunkt zum grossen Vorbild bietet "Fraktus" aber beste Unterhaltung.

18.03.2013

4

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