Flight USA 2012 – 138min.

Flight

Filmkritik

Held mit angesengten Flügeln

Michael Lang
Filmkritik: Michael Lang

Denzel Washington legt eine spektakuläre Notlandung hin und rettet fast alle Insassen seines Flugzeuges: Drama von Forrest Gump-Regisseur Robert Zemeckis.

Whip Whitaker(Denzel Washington) ist ein Meisterpilot. Und als sein Jet eines Morgens wegen einem Materialschaden dramatisch an Höhe verliert, gelingt ihm dank einem kühnen Manöver eine Notlandung. Zwar sind Todesopfer zu beklagen, aber das Gros der Passagiere überlebt. Eine makellose Heldentat? Nein, denn es stellt sich heraus, dass der Kapitän trinkt und kokst. Und völlig verladen im Cockpit sass.

Flight erzählt, wie der Flugkapitän mit dem Doppelleben nach dem spektakulären Unfall in die Bredouille gerät - privat und beruflich. Denn obwohl die trickreichen Anwälte seines Arbeitgebers geschickt juristische Stolpersteine aus dem Weg räumen und die Medienmeute auf Distanz halten, droht gröberes Ungemach. Mit den Spezialisten der staatlichen Luftfahrt-Aufsichtsbehörde ist nämlich nicht zu spassen. Und so muss der Lebemann am Steuerknüppel mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Oscar-Gewinner Robert Zemeckis (Forrest Gump) gilt als Spezialist für den typischen Hollywood-Schauspielerfilm. Dieses Mal hat er Oscar-Gewinner Denzel Washington aufgeboten, der vom Charmebolzen bis zum Kotzbrocken alle Charakter-Facetten abdecken kann. Eine gute Wahl.

Doch was ist von Flight als Ganzes zu halten? In der ersten halben Stunde wird grandios inszeniertes Actionkino geboten. Dann mutiert das Drama zum juristischen Schachspiel, in dem mit Ränkespielen und Schuldzuweisungen der Flugunfall aufgearbeitet wird. Das ist intelligent aufgegleist, aber letztlich geht es in Filmen wie diesem primär darum, den Star noch grösser als gross zu machen. Und deshalb darf Denzel Washington im Clinch mit seiner einst heroinsüchtigen Geliebten, seiner Ex-Ehefrau und vor allem mit dem vom Papa enttäuschten Sohn alle Register seines Könnens ziehen. Was ihm prompt eine weitere Oscar-Nomination eingetragen hat.

Washingtons Sololauf unterminiert allerdings zuweilen die Glaubwürdigkeit der Story. Etwa dann, wenn ein tuntiger Drogendealer (John Goodman in einer grotesken Knallcharge) auftaucht, der den eher beratungsresistenten und oft rückfälligen Trunkenbold mit seinen Teufelselixieren etwas gar wundersam schnell wieder fit macht. Item, im Finale von Flight hat der Held mit den versengten Flügeln gerade deshalb noch einen starken, von sanftem Kitsch umflorten Auftritt. Dann weiss man, wie er die Dämonen zu bodigen gedenkt, die sein Seelenheil attackieren. Schade, dass Zemeckis Persönlichkeitsdrama jenes Quentchen Genialität fehlt, das sein Meisterstück Forrest Gump geadelt hat.

15.02.2013

4

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Kommentare

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Barbarum

vor 4 Jahren

Der Film lebt von Washingtons Darstellung. Wirklich etwas aufregendes oder interessantes hat er aber nicht wirklich zu bieten, vor allem auch verglichen mit seiner doch eher umfangreicheren Laufzeit.


zmoergi

vor 5 Jahren

Tiefgründiger Film von Denzel Washington in der auf eine spezielle und eindrückliche Weise gezeigt wird wie die grösste menschliche Sucht gefangen nehmen kann. Kommt dann noch die Justiz ins Spiel leidet man zusehentlich mit Whip Whitaker mit. Der Film stellt den Zuschauer bis zum Schluss ständig vor die Frage ob man sich jetzt auf seine Seite schlagen soll oder doch nicht.
Einzig die Rolle des Dealers von Whip war schlecht und hätte sicherlich professioneller gespielt werden können anstelle ständigem überdrehten Lustiggetue.Mehr anzeigen


cookster

vor 5 Jahren

Denzel mal wieder in Hochform als Alki und drogensüchtiger Pilot... und John Goodman in einer kleinen Rolle mal wieder urkomisch! Genial


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