Die Wand Österreich, Deutschland 2012 – 108min.

Die Wand

Filmkritik

Macht der Einsamkeit

Michael Lang
Filmkritik: Michael Lang

Eine Frau stösst auf eine Wand - inmitten der üppigen Natur der österreichischen Berge. Beklemmendes Drama des Österreichers Julian Roman Pölsler mit einer grossartigen Martina Gedeck in der Hauptrolle.

Eine Frau um die 40 reist mit einer Kusine und deren Mann in die Berge. Nach der Ankunft in ihrem Jagdhaus bricht das Paar abends zu Fuss zu einem Abstecher ins nächste Dorf auf. Die Frau bleibt mit dem Jagdhund zurück. Als die Gastgeber am anderen Morgen noch nicht zurückgekehrt sind, machen sich Frau und Hund auf die Suche nach ihnen. Doch mitten auf dem Weg stossen sie gegen eine unsichtbare Wand. Das ist der Beginn eines beklemmenden Filmdramas des Österreichers Julian Roman Pölsler mit der charismatischen Martina Gedeck in der Hauptrolle.

Die Geschichte, in gewissem Sinne eine etwas andere, moderne Robinson-Saga, beruht auf dem 1963 erschienenen Roman «Die Wand» von Marlen Haushofer (1920-1970), einer privat und politisch aktiven und geachteten Vorkämpferin der feministischen Bewegung. Das vielgelesene Buch galt bis dato als unverfilmbar und wurde nun - nach jahrelanger Vorbereitungszeit - mit Bravour für die Leinwand adaptiert. Geschildert werden dabei die Erlebnisse einer namenlosen Protagonistin, die sie mit dem Jagdhund Luchs, der trächtigen Kuh Bella, zugelaufenen Katzen und einem weissen Raben teilt. Das Ganze wird zur schicksalhaften Expedition ins Ungewisse, zu einem Trip, auf dem sich immer neue Grenzen zeigen, zunehmend bizarrere Ereignisse dramatische Entscheidungen einfordern und Mensch und Tiere sich einander angleichen. Um des Überlebens willen.

Dass ein derartiger Prozess filmisch plausibel sichtbar werden kann und als Handlung überhaupt funktioniert, ist zuvorderst der formidablen Leistung der deutschen Schauspielerin Martina Gedeck zu danken. Sie skizziert, bar jeder Aufgesetztheit oder spekulativer Gefühlsduselei, eine im Sinne des Wortes der Natur ausgesetzten Frau, die sich unfreiwillig einen Weg in eine völlig andere Bewusstseinsebene erkämpft. Famos flankiert und unterstützt wird diese darstellerische Parforceleistung vom Team um Kameramann Christian Berger (Das weisse Band), das die in Berggebieten stets unberechenbaren Licht- und Witterungsverhältnissen stimmig für eine ästhetische Bildanmutung nutzt. Gedreht wurde übrigens in der Landschaft im oberösterreichischen Raum Gosau am Dachstein - eine Landschaft von magischer Natürlichkeit.

Es geht in Die Wand also um eine Frauengestalt im Um- und im Aufbruch, um den Umgang mit dem Unerklärlichen, um die Entdeckung der Einsamkeit als Macht- und Kraftquelle. In der Tat: Ein kantiger, sperriger, verstörender Film. Aber von ganzheitlicher Schönheit beseelt.

31.01.2013

5

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Kommentare

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anabah

vor 4 Jahren

Nachdem ich vor einigen Jahren in der Schule das Buch gelesen hatte, wollte ich mir auch den Film nicht entgehen lassen. Ich wurde ich nicht enttäuscht: Ein gewaltiger Film! Einer der besten deutschen Filme, den ich in letzter Zeit gesehen habe. (ich gucke mir viele deutsche Filme an..)

Niemand hätte diese Rolle besser spielen können als Martina Gedeck! Wow. Die Intensität des Films und die Story haben mich dann noch weiter zum Nachdenken gebracht, wie dies auch nach der Lektüre des Buches der Fall war.Mehr anzeigen


Patrick

vor 4 Jahren

Eine weibliche Robinson Crusoe Stroy verpackt mit wunderschönen Alpenaufnamen sowie eine famos spielende Martina Gedeck.


mahalia

vor 5 Jahren

Eine Wucht dieser Film! Das Buch ist unglaublich gut umgesetzt und die Geschichte packt mich jedes Mal.


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