Cloclo Belgien, Frankreich 2012 – 148min.

Cloclo

Filmkritik

Ein Leben für die Bühne

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Claude François, genannt "Cloclo", zählte in den 60er und 70er-Jahren zu den erfolgreichsten Sängern Frankreichs. Sein Leben war jedoch nicht nur von Erfolgen geprägt, wie das stilvoll ausgestatte Biopic deutlich macht. Die dramaturgischen Schwächen und eine Reihe hölzerner Dialoge gleicht der Film durch die herausragende Leistung von Hauptdarsteller Jérémie Renier wieder aus.

Cloclo, der mit bürgerlichem Namen Claude François (Jérémie Renier) heißt, erblickt am 1. Februar 1939 in Ägypten das Licht der Welt. Der junge Cloclo liebt die Musik, schon in frühen Jahren erlernt er mehrere Instrumente. Mitte der 50er Jahre zieht seine Familie an die Côte d'Azur, wo Claude als Schlagzeuger in Bands seine Karriere beginnt. Der große Erfolg lässt weiterhin auf sich warten, bis er 1962 mit "Belles, Belles, Belles" einen Megahit landet. Sein wohl größter Erfolg gelingt ihm 1967 mit dem Lied "Comme d'habitude", das kurz darauf von Frank Sinatra als "My Way" zum Welthit wird. Doch das Leben von Cloclo ist nicht nur von Erfolgen geprägt: die Frauen bleiben nicht lange an seiner Seite, und ein schwerer Autounfall hinterlässt bei dem Sänger lebenslange Wunden.

Cloclo ist die stilvoll inszenierte, prachtvoll ausgestatte filmische Biographie über Claude François, der in den 60ern und 70ern zu den populärsten Musikern Frankreichs zählte. Inszeniert wurde der Film von Florent Emilio Siri, der bis dahin eher auf durchwachsene Action-Kost (Intimate Enemies) spezialisiert war. Mit Cloclo gelingt ihm ein über weite Strecken gelungenes Biopic, das seine Längen und holprigen Dialoge vor allem durch die entwaffnende Leistung von Hauptdarsteller Jérémie Renier wettmacht.

Cloclo schafft es mühelos, die Stimmung, Optik und Lebenswelt im Frankreich der 60er- und 70er-Jahre auf die Leinwand zu bringen. Der Film ist Nostalgie pur und mit seinen aufwendigen Bühnenshows, den poppig-knalligen Farben und der realitätsnahen Ausstattung ebenso unterhaltsam wie authentisch. Die optische Brillanz des Films schafft es jedoch nicht völlig, über die Schwächen in den Bereichen Dramaturgie und Dialoge hinwegzutäuschen. Mit seinen 140 Spielminuten leidet Cloclo unter einigen Längen, hinzu kommen viele oberflächliche, inhaltsleere Dialogpassagen, die nicht selten ins Pathetische abdriften.

Über jeden Zweifel erhaben ist jedoch die brillante Leistung von Hauptdarsteller Jérémie Renier als begabter aber ebenso cholerischer Sänger und Entertainer Claude François. Nicht nur, dass Renier dem Chansonnier hier zum verwechseln ähnlich sieht; er schafft es auch spielend und sehr glaubhaft, den exzentrischen, exaltierten Charakter des Künstlers für den Zuschauer deutlich zu machen.

06.08.2013

3

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