A Late Quartet USA 2012 – 105min.

Filmkritik

Ehe zu viert, Scheidung zu dritt

Filmkritik: Eduard Ulrich

Die Mitglieder eines Streichquartetts spielen schon seit mehr als zwei Dekaden zusammen, aber als die Proben zum Jubiläumskonzert beginnen, zeigen sich Risse im bisher soliden musikalischen, instrumentalen und menschlichen Fundament. Das ist in vieler Hinsicht eine Herausforderung für die in Ehren ergrauten Vertrauten, der sie sich in unterschiedlicher Weise, mehr oder minder geschickt, aber in jedem Fall mit unerwarteten Folgen stellen.

Yaron Zilberman kennt keine Furcht. Das Thema "Streichquartett" gilt unter Kennern als hochinteressant, aber schwierig und fristet im ohnehin kleinen Kunstmusikmarkt ein Schattendasein. So möchte man die Risikobereitschaft des Regisseurs loben, der einen elitären Stoff scheinbar auf Massenverträglichkeit eingedampft hat. Und den grotesken Eifer der Schauspieler, die sich schrecklich bemühen, das Spielen auf den schwierigsten Instrumenten, den Streichinstrumenten, echt wirken zu lassen, obwohl selbst eine blutige Laiin nach einem Augenblick erkennt, dass etwas nicht stimmt - und sei es die Akustik.

Die jeweils eingespielte Aufnahme eines professionellen Streichquartetts erfreut sich nämlich eines kräftigen Nachhalls, wie er bei Studioproduktionen oft so trefflich elektronisch hinzugemischt wird, der aber nicht das geringste mit dem Klang der Räume zu tun hat, die uns gezeigt werden. Schlimmer ist nur der Klangteppich, der bei streichquartettlosen Szenen unterlegt wird - ein romantisches Gesülze, das in einen furchtbaren Kontrast zum zentralen Werk steht, welches die drei Herren und die Dame an der Bratsche aufwärmen wollen: Beethovens op 131 in cis-Moll, ein Grund- und Meilenstein der Streichquartettliteratur.

Das hätte ein schöner Film werden können, der dem unbedarften Publikum diese sperrige Komposition erschließt und die Lebensgeschichten der Protagonisten in Relation setzt. Allerdings ist nichts davon zu hören oder zu sehen, und es wirkt, als wäre dieses Stück wegen einiger sentimentaler Anekdoten gewählt worden, die so praktisch sind, weil sie künstlerisches Ringen vermenschlichen. Mit psychologisch schlüssigen Rollen hätte daran angeknüpft und gepunktet werden können, stattdessen ein heftiger Kontrapunkt: Die Figuren haben keine Tiefe und leben in einem luftleeren Raum, die Leidenschaft bleibt Behauptung, die emotionalen Spannungen und die berufliche Krise werden nicht funktional fruchtbar. Trotz einiger stimmiger Details: Viel Mühe, wenig Ertrag, viel Allgemeinplätze, wenig musikalische Substanz.

31.05.2021

2

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Kommentare

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ElizeH

vor 8 Jahren

bien trop prévisible et convenu. Je m'attendais à autre chose avec cette sélection d'acteurs...


IrisM

vor 9 Jahren

Das zerbrechende Quartett als Metapher für eine fragile Beziehungswelt. Wunderbare Leistung der Schauspieler und hervorragende Dialoge. Dieser Film gehört zur Extraklasse.


haschaefer

vor 9 Jahren

So viel Schauspielkunst hat auch mich berührt! Tolles Kammerspiel!


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