3 Zimmer/Küche/Bad Deutschland 2012 – 118min.

Filmkritik

Das Leben ist ein Umzug

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Acht Personen suchen ein Berliner Dach über dem Kopf. Doch die verbandelten Freunde und Freundinnen kriegen's schwer auf die Reihe. Ruhelos-rührige Roadmovie-Beziehungskiste von Dietrich Brüggemann, der zu einer witzigen, lebenslustigen Leib-und-Seelen-Tour zwischen Berlin und Freiburg einlädt.

Er ist der Kumpel fürs Herz, aber auch für Parkplatzprobleme. Hier noch beim Einzug, dann dort schon bei der schönen Dina, um ihr aus der Klemme zu helfen. Philipp (Jacob Matschenz) meint es einfach gut, auch mit seiner Freundin Maria (Aylin Tezel), die er von Freiburg nach Berlin lockt. Doch weder diese Liebe noch jene zwischen Thomas (Robert Gwisdek) und seiner Lebensabschnittsgefährtin (Alice Dwyler) steht auf festem Berliner Boden.

Am Anfang steht Dina (Anna Brüggemann), die mit Wiebke (Katharina Spiering) eine WG aufmacht. Und da wuselt auch noch Wiebkes kleine Schwester (Amelie Kiefer) durch die Szenen. Die Eltern der drei sind auch nicht ganz ohne: Ausgerechnet an Weihnachten outet sich der Vater (Hans-Heinrich Hardt) als Fremdgänger, der die Ehe mit der Gattin (Corinna Harfouch) seit Jahren nur noch zum Schein wahrte. Das ist selbst für die erwachsenen Kinder ein Hammer!

Verzwickte, komplizierte und anstrengende Verhältnisse - wer findet sich da zurecht? Doch nach anfänglichem Gefühlswirrwarr ordnen sich die Verhältnisse unter den umtriebigen Beteiligten. Das Umziehen - durchaus auch im metaphorischen Sinne - verläuft eben nicht gradlinig, eindeutig und vernünftig. Davon legt Dietrich Brüggemanns lebenslustiges Roadmovie beseelt Zeugnis ab.

Wer mit wem, wann und warum zur Zweisamkeit findet, klärt sich in 118 amüsanten Minuten. Die Geschwister Brüggemann haben das Drehbuch verfasst, in dem eigene Erfahrungen und viel Herzblut stecken und das nicht nur die junge Generation "zur Kasse bittet". "Wir wollten nicht nur über junge Leute erzählen, die viel umziehen, weil sie nichts Besseres zu tun haben", meint Co-Autorin Anna Brüggemann. "Ein Umzug ist meistens mit einer gravierenden Veränderung im persönlichen Bereich verbunden. Das kann einen in jedem Alter treffen."

Das Leben als Umzug also. Und so funktioniert auch diese Komödie zwischen Schwärmerei und Traurigkeit, zwischen Herbst, Winter und Sommer, wenn Herz und Verstand sich finden. Die beherzte kleine Odyssee zwischen Berlin, Stuttgart und Freiburg ist so tiefgründig wie unterhaltsam, ein paar Kürzungen hätten dem Film allerdings nicht geschadet. Eine echte Entdeckung - die lebensecht und lebenslustig wirkt und mit feinen Zwischentönen spielt.

14.03.2013

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