Young Adult USA 2011 – 94min.

Filmkritik

Die Spinnerfrau

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Wer kennt das nicht? Man wacht viel zu spät auf, der Schädel dröhnt und die Bekanntschaft der letzten Nacht sieht bei Tageslicht ernüchternd aus. Kein Wunder also, dass man plötzlich wieder an die große Jugendliebe von damals denkt und sich überlegt, ob die nicht doch die einzig wahre war. Charlize Theron geht im neuen Film der Juno-Macher noch einen Schritt weiter.

Das Leben von Mavis Garys (Charlize Theron) als Ghostwriterin für Jugendromane steckt tief in einer Sackgasse fest, als plötzlich diese Mail im Postfach landet. Ihr High School-Sweetheart Buddy (Patrick Wilson) und seine Frau haben ein Baby bekommen! Aber das letzte Wort in Sachen Glück kann doch noch nicht gesprochen sein, oder? Nach einem besonders schlimmen Aufwachen setzt sich Mavis jedenfalls ins Auto Richtung Provinz, um ihren Ex aus seinem Spießerleben zu befreien und dort weiterzumachen, wo sie einst aufgehört hatten.

Der Titel des Films deutet es schon an: Mit vernünftigem Verhalten und Verantwortungsbewusstsein - also dem, was man unter Erwachsensein versteht - steht Mavis auf Kriegsfuß. Ihre Zeiten als Königin des Klassenzimmers sind lange vorbei, doch in Sachen Eitelkeit, Egoismus und Rücksichtslosigkeit ist bei der attraktiven Blondine noch alles beim Alten. Dass der Plan, wieder mit der Jugendliebe glücklich zu werden, grandios scheitern muss, versteht sich entsprechend von selbst.

Eine seltsame Filmheldin ist es, die die Juno-Macher Jason Reitman und Diablo Cody ins Zentrum ihres Filmes stellen. Nicht dass es solch komplizierte, anstrengende und größtenteils unsympathische Frauen wie Mavis nicht zuhauf geben würde. Man sieht sie nur eben so gut wie nie auf der Leinwand, wo - zumal im Komödienfach - ein bisschen Zickigkeit à la Aniston oder Heigl schon das Höchste ist in Sachen negativer Eigenschaften. Hier dagegen schlurft die Protagonistin Morgen für Morgen vollkommen fertig in den Tag, vernachlässigt ihren Hund und verschwendet nicht die geringsten Gedanken an ihren Ex-Klassenkameraden und jetzt nicht ganz freiwilligen Saufkumpan Matt (wunderbar: Patton Oswalt) und andere Mitmenschen.

Tatsächlich benimmt sie sich so konsequent und ungeheuerlich daneben, dass man fast befürchten muss, die Figur sei eindimensional. Doch weit gefehlt. Zwar kennt Reitman bis zum Schluss keine Gnade mit seiner Protagonistin. Theron allerdings verschreibt sich ihrer Rolle so bedingungslos, dass sie alle Abgründe dieser Frau aufs bravouröseste auslotet und sie weder zu einer Witzfigur noch zu einem Hassobjekt, sondern einfach zu einem sehr schwierigen, aber wahrhaftigen Menschen macht. Dass Young Adult unter all seinem bitterbösen Humor auch von Alkoholismus und Depression erzählt, macht ihn nur noch komplexer.

02.02.2017

4

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Kommentare

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Tatschi82

vor 7 Jahren

Dieser Film konnte mich nicht überzeugen - weder Fisch noch Vogel. Aber der Mini, den sie fährt, ist toll


necra80

vor 7 Jahren

Der schlechteste Film von meiner Lieblingsschauspielerin! Langatmig, wirr... langweilig!


Bounty25

vor 8 Jahren

positiv überrascht, der Film ging viel tiefer als erwartet, trotzdem hätte man mehr aus dem Thema machen können


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