Un amour de jeunesse Frankreich, Deutschland 2011 – 111min.

Filmkritik

Eine Liebe, die nie zu Ende geht

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

In einem Film, so die landläufige Meinung, müssen alle Teile der Geschichte eine Auflösung erfahren. Dabei bleibt im Leben vieles ungeklärt – genau wie in Un amour de jeunesse. Im Liebesdrama von Mia Hansen-Løve verändert das Austauschjahr ihres Freundes das Leben einer Pariserin.

Für die 15-jährige Camille (Lola Creton) bricht eine Welt zusammen. Ihre erste große Liebe will für ein Jahr nach Südamerika gehen. Ihre Beziehung, so meint Sullivan, wird danach weitergehen. Zuerst erhält Camille noch Briefe von ihm, irgendwann ist es aber damit vorbei. Die Jahre vergehen, sie studiert Architektur und verliebt sich erneut. Doch dann trifft sie Sullivan wieder.

Vieles bleibt in Un amour de jeunesse unaufgelöst. Als Sullivan ein Gemälde verkaufen will etwa, er aber nur sehr wenig dafür bekommt, weil der Händler es für eine Fälschung hält. Echt oder unecht? Die Frage bleibt offen. In Un amour de jeunesse gibt es viele solcher Momente, die man sich selbst erschließen muss. Fast eine Dekade vergeht im Verlauf des Films. Als Zuschauer ist man gefordert, den Zeitenwechsel wahrzunehmen und in Kontext zu setzen. Die einzelnen Lebensstationen vergehen wie im Flug. Erzählt wird dabei Camilles Geschichte, jene von Sullivan wird kaum erwähnt. Dem Zuschauer ergeht es wie der Hauptfigur, die irgendwann nicht mehr an seinem Leben teilhaben kann.

Autorin und Regisseurin Mia Hansen-Løve erzählt eine Geschichte über die erste Liebe, vor allem aber auch über den Schmerz, den ihr Ende mit sich bringt. Nur: Für Camille endet diese Liebe nie. Sie ist derart intensiv und andauernd, dass man fast schon psychotische Tendenzen unterstellen muss. Das macht diese erste Liebe zu etwas sehr tragischem, da Camilles Dasein immer und einzig darum kreist, auch dann noch, als er längst schon aus ihrem Leben getreten ist. Dabei nimmt sie selbst gar nicht wahr, wie sehr diese erste Liebe sie gefangengenommen hat. Hauptdarstellerin Lola Creton ist eine phantastische Entdeckung. Sie lächelt nie, was die traurige Natur ihrer Figur noch unterstreicht.

Die unstringente, typisch französische Machart könnte mancher Kritik Vorschub leisten, doch es scheint, dass Hansen-Løve sich leichterer Defizite bewusst war und allen Nörglern den Wind aus den Segeln nehmen wollte. Denn sie lässt Sullivan im Verlauf der Geschichte erklären, einen unnötig geschwätzigen, selbstgefälligen Film gesehen zu haben. Umso schöner, dass Un amour de jeunesse gerade dies nicht ist.

18.07.2012

4

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Kommentare

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anabah

vor 7 Jahren

Toller Film, der von der grossartigen Schauspielerin Lola Creton lebt. Hoffentlich wird man bald mehr von ihr sehen.


telecommande

vor 9 Jahren

Sehr schöne Geschichte, jedoch gewisse Teile waren zu lang.


isbelle

vor 9 Jahren

Langatmig, schöne Bilder


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