Stolz und Vorurteil und Zombies Grossbritannien, USA 2016 – 107min.

Filmkritik

Jane Austen mal anders

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Der Roman von Seth Grahame-Smith war ein großer Erfolg, weil er zwei Dinge miteinander vermengte, die oft benutzt wurden, aber als Amalgam plötzlich wieder ganz frisch wirkten. Jane Austens berühmtester Roman blieb narrativ intakt, aber wurde in einer Welt erzählt, in der Zombies zur Tagesordnung gehören. Nach Jahren der Entwicklung und dem Verschleiß mehrerer Regisseure und Hauptdarsteller ist Pride and Prejudice and Zombies nun endlich in den Kinos. Aber das Ergebnis enttäuscht.

Es ist das Jahr 1811: Mrs. Bennet hat keine anderen Sorgen, als ihre fünf Töchter zu verheiraten. Für Jane gibt es einen Verehrer, den reichen Mr. Bingley, und auch an Liz ist jemand interessiert: der Pastor Collins. Doch Liz denkt nicht daran, in eine lieblose Ehe einzuwilligen. Immerhin ist sie an Mr. Darcy interessiert, auch wenn sie ihn eigentlich nicht ausstehen kann, so stolz und vorurteilsbeladen wie er ist. Aber er hat auch seine Qualitäten. So ist er etwa ein hervorragender Zombie-Killer, auch wenn Liz selbst ganz gut darin ist, den Untoten den Garaus zu machen. Muss sie auch, denn England wird von einer neuen Zombie-Welle erschüttert.

Amüsant ist, wie sehr die DNS der Austen-Geschichte enthalten ist. Alle wichtigen Elemente, alle Figuren, alle Ereignisse sind noch immer da, werden aber durch den Faktor X kräftig aufgemischt. Das sorgt für Überraschungen, und das nicht nur, weil Liz und ihre Schwestern formidable Kämpferinnen sind (die in China bei Shaolin-Mönchen ausgebildet wurden), sondern auch, weil man mit einer elaborierten Vorgeschichte hantiert, die ein Jahrhundert Zombie-Krieg auf wenige Minuten kondensiert. Das Problem dabei: Alles, was in dieser illustrierten Geschichte erzählt wird, klingt so viel spannender als das, was der Film letztlich zu bieten hat.

Denn das große Problem von Pride and Prejudice and Zombies ist, dass er so untot ist wie die Kreaturen, die hier ihr Unwesen treiben. Er bleibt weitestgehend leblos, die Geschichte mäandert und die Figuren haben keinen Esprit. An den Schauspielern liegt das nicht. Sie schlagen sich ganz gut, allen voran Sam Riley, der den vielleicht düstersten Darcy der Filmgeschichte zum Besten gibt.

Leider bleibt der notwendige Humor auf der Strecke. Eine solche Geschichte müsste sich ins Absurde flüchten – und tut es auch. Allein, die Wirkung verpufft, der gewünschte Effekt stellt sich einfach nicht ein. In einzelnen Momenten funktioniert der Film. Die Actioneinlagen sind gut, die Zombies interessanter gestaltet als nur als gehirnlose Fleischfresser, aber der Funke springt nicht über. Pride and Prejudice and Zombies ist eine Übung in Stil über Substanz – dabei wäre so viel mehr drin gewesen.

15.06.2016

3

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Kommentare

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dulik

vor einem Jahr

"Stolz und Vorurteil und Zombies" bietet eine skurrile, aber weitgehend funktionierende Kombination aus adeligem Liebesfilm und blutigem Horror. Lange bleibt unklar, wohin die Handlung eigentlich hinaus will und daher ist die erste Hälfte etwas langatmig. Im Schlussabschnitt wird der Film dann immer besser und fürs Auge wird ohnehin während der ganzen Lauflänge so einiges geboten.
6.5/10Mehr anzeigen


anastasiar

vor 3 Jahren

war genial in 3D. musste ihn zuhause nochmals als VideoOnDemand anschauen da er so gut ist


anastasiar

vor 4 Jahren

ich fand den film super. ich kenne alle bücher von jane austin. und ich habe auch den film " Pride and Prejudice" gesehen. Der ist mega romantisch. NUN kommt hier im REMAKE einfach der Horror-Effekt hinzu. Ich kann ihn nur empfehlen


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