Pina Frankreich, Deutschland, Grossbritannien 2011 – 106min.

Filmkritik

Tanzen in der dritten Dimension

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Über Jahre hinweg sprach Wim Wenders mit seiner guten Freundin Pina Bausch immer wieder über ein mögliches Filmprojekt, das einige ihre Arbeiten dauerhaft festhalten sollte. Erst die aktuelle 3D-Technik schien ihm endlich gut genug, das Tanztheater im Kino adäquat darzustellen. Doch nach den ersten Probeaufnahmen im Sommer 2009 verstarb die grosse Choreographin völlig unerwartet.

Aus einem Film mit und über Pina Bausch ist nun vor allem ein Film für sie geworden. Nach dem anfänglichen Schock entschlossen sich Wenders und die Tänzer, die noch von Bausch mit ausgesuchten Stücke - darunter "Café Müller", "Le sacre du printemps" und "Kontakthof" - dennoch zu proben, aufzuführen und zu filmen. Dazu kommen in Pina ein paar wenige Archivaufnahmen, in denen die Tanz-Ikone selbst zu sehen ist. Vor allem aber bietet Wenders nun den Mitgliedern des Ensembles die Möglichkeit, ihre Mentorin und Freundin zu ehren: Solo oder im Pas de deux tanzen sie für die Erinnerung und gegen die Trauer, eingerahmt von stummen Einzelporträts und Gedanken aus dem Off.

Nicht zuletzt durch diese Szenen, für die der Film immer wieder die Enge der Bühne verlässt und sich nach Wuppertal und ins Umland begibt, wird Pina zu einem sehr persönlichen und oft anrührenden Film. Nicht alle der sehr unterschiedlichen Tänzer und Wegbegleiter geben mit ihren Darbietungen unbedingt Einblick ins Private, doch der Leidenschaft und Liebe, mit der sie nicht nur ihrem Beruf nachgehen, sondern auch ihre Chefin verehren, kann man sich nur schwerlich entziehen.

Es hilft dabei durchaus, wenn man mit Bauschs Arbeit vertraut ist oder zumindest eine gewisse Vorliebe fürs Tanztheater hat. Denn Wenders verlässt sich ganz und gar auf den Tanz. Auf Erklärungen oder Deutungen verzichtet er völlig, gesprochen wird kaum. Als Tanztheaternovize mag man das bedauern, doch letztlich liegt genau darin die Stärke des Films. Denn keine von Wenders' Interpretation könnte einem die Faszination von Bauschs Arbeiten so eindrücklich vermitteln wie die Konzentration auf die Tänzer.

Was nicht wirklich der Rede wert ist, ist ironischerweise der 3D-Effekt. In einigen Momenten verstärkt er zwar sehr schön die Weite der Landschaft oder den Guckkasten-Effekt der Bühne, in anderen aber bleibt die Technik ohne nennenswerte Wirkung, manchmal wirkt sie gar irritierend bis effekthascherisch. Zumal die kluge Entscheidung, immer wieder die Zuschauerperspektive zu verlassen und sich direkt unter die Tänzer zu mischen, auch in 2D gut funktioniert hätte.

07.06.2011

4

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Kommentare

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selinaburri

vor 9 Jahren

wunderbarer Film.


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