Habemus Papam Frankreich, Italien 2011 – 102min.

Habemus Papam

Filmkritik

Stromausfall beim Konklave

Filmkritik: Eduard Ulrich

Die Braut, die sich nicht traut, ist sprichwörtlich, aber ein Papst, der sich ziert? Nanni Moretti spielt in seiner dramatisch angehauchten Komödie diese Idee durch, lässt aber der Institution und ihren Repräsentanten ihre Würde. Den Heiligenschein pustet der bekennende Atheist allerdings weg, und zum Vorschein kommen Menschen wie du und ich, die auch nicht vor den Pannen des Alltags gefeit sind.

Moretti beginnt mit Aufnahmen vom Begräbnis Johannes Pauls II. und wechselt dann geschickt zur ersten von ihm gedrehten Szene, dem obligatorischen Konklave. Da hört man die Gedanken der Kardinäle, ihre Stoßgebete, und sieht schon mal schwarz, weil der Strom ausfällt. Immer wieder schneidet Moretti auf die Medien um, die vesuchen, wie in der Schöpfungslegende aus dem Nichts eine Sensation zu destillieren. Moretti stellt konsequent Innensicht gegen Außensicht, zeigt, wie sich Gerüchte bilden, weil die Substanz der Information fehlt, wie aber auch bewusst mit der Erwartung der Öffentlichkeit gespielt wird, um ein bestimmtes Bild zu formen. Da leistet der Film beiläufig Medien- und Konsumentenkritik.

Klassisch ist auch, wie der frisch gewählte Papst zuerst von seinem Sekretär dirigiert wird, weil er noch nicht weiß, wie die Mechanik seiner Macht funktioniert. Sonst bleibt aber die Institution im Hintergrund, Moretti interessiert sich für die Menschen unter den Kardinalsroben und wird fündig. Er selbst hat sich eine originelle Rolle auf den Leib geschrieben: Als "der beste" Psychologe wird er engagiert, um dem Papst seine Selbstzweifel an der Befähigung zum Amt zu nehmen. Während Moretti seine Rolle meistert, wirkt Michel Piccoli als überforderter Papst seltsam unauthentisch. Er schneidet Grimassen und gestikuliert, aber eine psychologisch schlüssige Deutung gelingt ihm nicht.

Vielleicht ist das auch ein wenig die Schuld des Drehbuchs, welches dem Papst kaum private Interaktion ermöglicht und ihn ohne seine Entwicklungsgeschichte in diese Krisensituation hineinstellt. Sehr schön sind dagegen die Kulissen, die einen beträchtlichen Teil des Budgets verschlangen. 80 Prozent der Sixtinischen Kapelle sollen nachgebaut worden sein. Und sogar der Auftritt der Schweizer Garde wirkt wie aus dem Lehrbuch. Die Marotten der Geistlichen und die heilsgeilen Gläubigen hätten durchaus mehr Spott vertragen, so bleiben Kritik und Humor zölibatär zahm.

19.02.2013

3

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Kommentare

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Barbarum

vor 4 Jahren

Keine Offenbarung.


Gebirgskette

vor 7 Jahren

Ein enttäuschender Film. Gute Ideen blieben immer wieder im Ansatz stecken. Weder Dialoge noch die Handlung konnten mir einmal ein müdes Lächeln entlocken. Ein verlorener Filmabend.


smallsoldier

vor 7 Jahren

Schön, wieder mal was anderes: -)
Sehr ruhiger Film mit toll agierenden Schauspielern der auch ein paar Denkanstösse gibt ohne belehrend sein zu wollen.
Aber wohl nicht jedermanns Sache, da keine Reifen quietschen und geschossen wird auch nicht; -)


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