Gianni und die Frauen Italien 2011 – 90min.

Filmkritik

Ein Hahn unter lauter Hennen

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Der Senior Gianni steht Hunden und Frauen zu Diensten, aber die Liebe steht im Abseits. Eines Tages kommt Gianni wieder auf den Geschmack, doch das schwache Geschlecht erweist sich stärker als erwartet. Die leicht erotische Romanze mit italienischem Charme zielt auf rüstige Senioren.

Er scharwenzelt mit Hunden durch die Gassen, macht Besorgungen für Nachbarn und versucht die Eskapaden seiner Mutter (Valeria de Franciscis Bendoni), einer verarmten Adeligen, zu glätten: Gianni (Gianni Di Gregorio) ist ein netter, hilfsbereiter Kerl, pensioniert und wenig ambitioniert. Seiner Tochter Teresa (Teresa Di Gregorio) und seiner Ehefrau dient er quasi als Hausmann, doch das eigene Leben und die Liebe strömen irgendwie an ihm vorbei, bis ihm sein Freund Alfonso (Alfonso Santagata) die Augen öffnet und Giannis schlummernde Begierden weckt. Alle anderen in seiner Alterskategorie, er selbst eingeschlossen, hätten eine Geliebte, meint der Kollege.

Darauf erwacht Giannis Libido wieder und er entdeckt Begehrlichkeiten. Da wären beispielsweise Cristina (Kristina Cepraga), die attraktive Haushälterin seiner Mutter, seine heimliche Flamme Gabriella (Gabriella Shorgi) oder Valeria (Valeria Cavalli), seine erste grosse Liebe. Doch jede dieser Frauen lebt ihr eigenes Leben, von dem der «Eindringling» Gianni ausgeschlossen scheint. Die servilen Annäherungsversuche des Hausmanns kommen nicht so an, wie es sich der Pensionär ausmalt. Die Libido drängt und stupft ihn, er bringt sich in Form und Position, doch seine Phantasien zerplatzen mehr oder weniger an der Wirklichkeit.

Mit Gianni e le donne schuf Gianni Di Gregorio, der charmant männlich auch die Hauptrolle spielt und das Drehbuch mit Valerio Attanasio verfasste, eine luftig-leichte Komödie um Altherren-Sexträume, rüstige Rentner und eine vife Weiblichkeit. Der Römer präsentiert nach Franzo di Ferragosto seinen zweiten Spielfilm, der mit Preisen dekoriert (Preis Luigi De Laurentiis, Venedig u.a.) wurde und auch das Publikum für sich einnahm.

Das liebenswürdige, erotisch angehauchte, aber doch unerfüllte Werk macht zwar gute Laune, hinkt jedoch anderen Filme, die sich mit Liebestrieben im Alter auseinandersetzen, hinterher, wie beispielsweise Wolke 9 aus Deutschland oder It’s Complicated mit Meryl Streep und Alec Baldwin. Immerhin, Di Gregorios Liebesstreich wirkt authentisch, das deuten schon die Vornamen der Figuren und Darsteller an, und rüstig-munter. Und doch wirkt die Alltagsfarce letztlich wie Popcorn - für den Augenblick ganz gut, aber nicht nachhaltig.

15.08.2011

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Kommentare

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thilda

vor 9 Jahren

Feiner Humor, fantastische Schauspieler. Ein Film für Feinschmecker.


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