Charlotte Rampling - The Look Frankreich, Deutschland 2011 – 90min.

Filmkritik

Bekenntnisse einer Ikone

Filmkritik: Cindy Hertach

Charlotte Rampling gilt als eine der spannendsten Persönlichkeiten des europäischen Kinos. Das erste filmische Porträt der als unnahbar geltenden britischen Schauspielerin ist der Hartnäckigkeit der Filmemacherin Angelina Maccarone zu verdanken.

Kühl, vieldeutig und undurchdringlich. Charlotte Ramplings geheimnisvoller Blick ist ebenso legendär wie ihr Ruf als Ikone des europäischen Kinos. Den hat die Britin nicht nur ihrer aussergewöhnlichen Ausstrahlung zu verdanken. Auch ihre oftmals rebellische, immer aber intelligente Rollenwahl trug massgeblich zu jenem coolen Image bei, das ihr bis heute anhaftet. Bereits am Anfang ihrer Karriere scheute Rampling niemals davor zurück, in kontroversen Filmen mitzuspielen. Ende der 60er Jahre erregte sie in Viscontis Die Verdammten Aufsehen, um einige Jahre später als masochistisches KZ-Opfer im Drama Der Nachtportier einen veritablen Skandal auszulösen.

Der erste Dokumentarfilm über die unzugängliche Ikone entspricht keinem klassischen Porträt, das die wichtigsten biographischen Fixpunkte chronologisch abhakt und hauptsächlich von den Äusserungen anderer Personen lebt. Im Gegenteil: Angelina Maccarone hat in enger Zusammenarbeit mit der Schauspielerin ein Konzept erarbeitet, das sich dem faszinierenden Phänomen Rampling durch mehrere, streng gegliederte Filmkapiteln annähert. In ungezwungenen Diskussionen über die Themen "Exposure", "Age", "Resonance", "Taboo", "Desire", "Demons", "Death" und "Love" reflektiert Rampling mit befreundeten Künstlern wie Peter Lindbergh, Paul Auster, Juergen Teller ihr Leben, ihre Arbeitsweise und ihren Charakter. So erlaubt sie dem Publikum, Aspekte ihrer Persönlichkeit wie durch ein Kaleidoskop in Erfahrung zu bringen. Episoden aus früheren Zeiten, prägende Foto-Shootings, die Zusammenarbeit mit Luchino Visconti, Woody Allen oder François Ozon und verleihen dem Porträt einen filmhistorischen Rahmen.

Ohne die ausserordentliche Hartnäckigkeit Maccarones wäre diese Dokumentation wahrscheinlich niemals zustande gekommen. Viel Geduld und noch mehr Überzeugungskraft waren bis Ende der Produktion nötig, um die skeptische Schauspielerin für ihr eigenes filmisches Porträt zu gewinnen. Denn bis zum Schluss der jahrelangen Dreharbeiten behielt sich Rampling das Recht vor, die Veröffentlichung zu verbieten, sollte der Film nicht ihren Vorstellungen entsprechen. Jenes unbedingte Bedürfnis nach Kontrolle, jene freundliche Zurückhaltung und Unnahbarkeit haftet Rampling im Film auch dann an, wenn sie sich in den Gesprächen vertraulich offen gibt. Weniger das persönliche Porträt eines spannenden Menschen, als vielmehr die An- und Einsichten einer faszinierenden Ikone, bleibt die Dokumentation dennoch sehenswert.

15.12.2011

4

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