Captain America: The First Avenger USA 2011 – 124min.

Captain America: The First Avenger

Filmkritik

Antiquierter Kapitän

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Captain America ist ein Super-Soldat, der im Zweiten Weltkrieg die Übermacht der USA demonstrierte, in der heutigen Zeit und jenseits amerikanischer Grenzen aber kaum mehr Bedeutung hat. Daran wird auch dieser fade Film nichts ändern.

Vom Zweiten Weltkrieg geschwächt, rekrutieren die USA jeden jungen Mann, der auf zwei Beinen stehen kann. Nur der schwächliche, an Asthma und Unterernährung leidende Steve Rogers (Chris Evans) schafft es auch nach mehreren Versuchen nicht, von der Armee aufgenommen zu werden. Seine Hartnäckigkeit wird jedoch von einem deutschen Wissenschaftler im Exil (Stanley Tucci) als Tugend erkannt und Rogers wird für ein streng geheimes Experiment engagiert. Dem spindeldürren Jüngling wird eine blaue Flüssigkeit injiziert, die aus ihm ein rot-weiss-blaues Muskelpaket und eine Geheimwaffe gegen den Nazi-Psychopathen Johann Schmidt (Hugo Weaving) macht.

Captain America erschien zum ersten Mal im März 1941, bevor sich die USA offiziell in den Zweiten Weltkrieg eintraten: Das Titelblatt des Comic-Heftes zeigte ihn, wie er Hitler K.O. schlägt. Er verschwand während den 50er- und 60er-Jahren, kehrte dann aber als Mitglied der "Avengers", bestehend aus Iron Man, The Hulk, Thor und anderen wieder in die Comic-Welt zurück. Abgesehen von einem Schild, gefertigt aus dem "härtesten Metall, das es gibt", hat Captain America keine Superkräfte. Er ist schlicht stärker, sportlicher und schneller als jeder andere Normalsterbliche. Mal abgesehen vom überzeugenden CGI-Effekt, der den Kopf von Chris Evans auf den schmächtigen Körper eines anderen Schauspielers setzt, sind die Spezialeffekte in diesem Film nicht erwähnenswert. Schmidts Alter-Ego "The Red Skull" zum Beispiel sieht aus wie der wütende Jim Carrey in The Mask.

Der grösste Schwachpunkt von "Captain America" ist aber seine Story, die für die eingefleischten Comic-Fans und nicht für das breite Publikum geschrieben wurde. Im Gegensatz zu "Iron Man" setzt "Captain America" Kenntnis der anderen Avengers-Comics und -Filme voraus. Woher zum Beispiel die blaue Energiequelle kommt, nach der es Schmidt gelüstet, wird in "Thor" erklärt oder dass Dominic Coopers Figur Howard Stark der Vater von Iron Man ist, entgeht dem Laien gänzlich.

Für ein deutschsprachiges Publikum stellen auch die Darsteller der Nazis ein Problem dar. Der australische Schauspieler Hugo Weaving hat einen undefinierbaren Euro-Akzent, der mal stärker, mal schwächer ausfällt. Der Nazi-Flüchtling Dr. Abraham Erskine wird vom Italo-Amerikaner Stanley Tucci dargestellt und der Engländer Toby Jones spielt Schmidts Sidekick. Beides gute Schauspieler, die es aber nicht schaffen, deutsch zu klingen und die "Hail Hitler" anstatt "Heil Hitler" sagen. Til Schweiger, Michael Fassbender oder Christoph Waltz hätten diesem Film die Authentizität verliehen, die er brauchen könnte.

03.11.2016

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