Vincent will Meer Deutschland 2010 – 95min.

Filmkritik

Nichts wie weg

Georgios Panagiotidis
Filmkritik: Georgios Panagiotidis

Ein Tourette-Kranker, ein Zwangsneurotiker und eine Magersüchtige fliehen aus einem Heim und machen sich mit dem Auto ihrer Therapeutin auf nach Italien. Was tönt wie ein politisch unkorrekter Stammtischwitz, entpuppt sich als plumpe Komödie, die allein vom Hauptdarsteller am Leben gehalten wird.

Der 27-jährige Vincent (Florian David Fitz) leidet am Tourette-Syndrom. Nach dem Tod seiner Mutter schiebt der Vater (Heino Ferch) ihn in eine Klinik ab, wo er sich das Zimmer mit dem neurotischen Alexander (Johannes Allmayer) teilt. Während Vincent an seiner Krankheit leidet, wirkt Alexanders Zwangsneurose wie Lifestyle und ulkige Marotte. Die Dritte im Bunde ist die magersüchtige Marie (Karoline Herfurth). Ihre Aufgabe ist es, Vincent zum Abhauen anzustacheln und als Eifersuchtsobjekt zwischen Vincent und Alexander zu geraten. Hier wird am deutlichsten, wie sehr das Drehbuch die Schauspieler im Stich lässt: Maries Verhalten ist kaum nachvollziehbar und ihre Figur ohne erkennbare Motivation.

Vincent, Marie und Alexander stehlen den Wagen ihrer Therapeutin Dr. Rose und versuchen, nach Italien zu fliehen. Vincents Vater und Dr. Rose sind den Dreien aber bald auf den Fersen. Aus einer anfänglichen Zweckbeziehung entwickelt sich freundschaftlicher Respekt. Jedoch nicht weil irgendetwas Nennenswertes zwischen den Beiden passiert, sondern weil es sich so gehört bei einem komödiantischen Roadmovie. Dessen Klischees werden fleißig abgehakt werden, jedoch nie mit der notwendigen Sorgfalt, um sie nachvollziehbar zu machen.

Die drei Flüchtigen werden Freunde, weil der Film sie durch eine kurze Clipmontage schickt, aber nicht, weil sie sich näher gekommen wären. Das geht dem Zuschauer ähnlich. Die Charaktere bleiben fremd und oberflächlich. Das Drama hat keine Substanz, und die Komik ist belanglos. Die Dialoge mühen sich ab, diese erzählerischen Löcher zu stopfen, in dem sie in TV-Manier alles wichtige noch mal in klaren Worten wiederholen. Damit wird den Beteiligten die lästige Aufgabe erspart, Emotionen durch Schauspiel auszudrücken.

"Vincent will Meer" mag ein unterkochtes Drehbuch haben, ist aber dennoch ein handwerklich ansprechend gemachter Film. Schön fotografierte Landschaften und fahrende Autos werden mit Popmusik unterlegt und halten den Zuschauer wach. So sehr es Florian David Fitz auch gelingt, die Figur des Vincent plausibel und wahrhaftig zu verkörpern, so kann er sich nicht gegen die Banalität der Geschichte zur Wehr setzen. Wenn man bedenkt, dass Fitz selbst das Drehbuch verfasst hat, ist das sogar noch bedauernswerter.

16.06.2010

2

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Kommentare

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Patrick

vor 8 Jahren

Gute Darsteller und das Reise Feiling kommt auf, aber dennoch hat mich Hasta la Vista(mehr infos auf dieser seite) aus dem Jahr 2012 mehr überzeugt.


isabel1984

vor 10 Jahren

Ein Film über eine Krankheit, der nicht besser gemacht sein könnte. Florian David Fitz überzeigt als Tourette-Syndrom-geplagter junger Mann.


lilien

vor 10 Jahren

Wenn man einen witzigen Film mit Gehalt sucht, ist man hier goldrichtig. Viel Spass beim Anschauen und Schmunzeln!


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