Rubber Frankreich 2010 – 85min.

Rubber

Filmkritik

Ein abgefahrener Reifen

Andres Hutter
Filmkritik: Andres Hutter

In dieser verrückten Horrorkomödie aus Frankreich erwacht ein Autoreifen zum Leben und macht sich auf eine mörderische Tour durch die amerikanische Wüste. Das klingt reichlich abgefahren, blosser Horror-Trash will Rubber dabei aber keineswegs sein.

Der Franzose Quentin Dupieux, besser bekannt als Elektro-Musiker Mr. Oizo, hat für seinen Film Rubber eine ausgefallene Hauptfigur gewählt. Nämlich geht es um einen alten Autoreifen, der mitten im amerikanischen Niemandsland zum Leben erwacht und sich aufmacht, alles zu töten, was seinen Weg kreuzt. Mit dieser abenteurlichen Ausgangslage sorgte der Film bereits bei den Filmfestivals in Cannes und Locarno für Gesprächsstoff.

Seine rätselhafte Ausgangslage erklärt der Film nicht im Geringsten. Denn gerade diese Grundlosigkeit der Handlung will Regisseur Dupieux mit seinem schrägen Werk zelebrieren. So macht auch schon in der ersten Minute des Filmes ein Protagonist klar, woher der Wind weht: Er blickt in die Kamera und erklärt, dass in Filmen Handlungen nun mal willkürlich und ohne erkennbaren Grund geschehen. Diese selbstreflexiven Momente mit überdeutlich postmodernem Augenzwinkern streut Dupieux immer wieder ein. Besonders frisch sind solche Brüche allerdings heute nicht mehr.

Dabei hat Dupieux durchaus gute Einfälle. Wenn er etwa eine Gruppe Menschen mit Ferngläsern mitten in die Wüste setzt, die dann als Publikum das Geschehen mitverfolgt und kommentiert, hat das durchaus Witz. Und auch als trashige Horrorkomödie funktioniert Rubber streckenweise sehr gut, gerade weil der lebende Reifen ein derart sperriger Gegenstand ist, dass er als Hauptfigur im Grunde völlig ungeeignet ist.

Auch schafft der Film, obwohl er durchgehend mit Fotokameras gedreht wurde, einen erstaunlich guten Look und kann mit überzeugenden Schauspielern aufwarten (unter anderen hat es der Reifen auch auf das "Sennentuntschi" Roxane Mesquida abgesehen). Insgesamt fehlen dem Film aber bei aller Experimentierfreude etwas die zündenden Ideen, um Durchhänger zu vermeiden. Gerade die selbstreflexiven Momente nehmen der blutigen Reifenfahrt etwas den Schwung.

Um als filmisches Experiment durchzugehen, fehlen Rubber neue, radikale Einfälle. Gerade zum Thema Selbstreflexivität im Horrorfilm hat etwa Michael Hanekes mittlerweile bereits über zehn Jahre alter Funny Games schon fast alles vorweggenommen. Und für spassigen Horror-Trash ist Rubber wegen dieser Ausflüge oft zu schwerfällig.

14.02.2011

3

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Kommentare

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winigsa

vor 7 Jahren

Nichts für den 08/15-Kinogänger. Wer Filme leibt und nicht Unterhaltung wird ihn lieben. Und vor allem verstehen.
Was ist noch echt im Planet Hollywood.


Urs23

vor 8 Jahren

Schlichtweg grandios, ein Film, wie man ihn noch nie gesehen hat. Unglaublich ironisch. Einer der besten Filme, die ich bislang gesehen habe


Gelöschter Nutzer

vor 8 Jahren

Neu, abgefahren und schräg.


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