CH.FILM

Länger leben Schweiz 2010 – 105min.

Filmkritik

Wer zuerst stirbt, spendet zuerst

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Max braucht eine neue Leber, Fritz ein neues Herz - und nur eine Organspende kann ihr Leben verlängern. Ein Arzt verkuppelt die zwei: Wer zuerst stirbt, wird zum Spender. Lorenz Keisers bissige schwarze Komödie nimmt Lebenslust und -frust, Organhandel und Senioren aufs Korn.

Max Wanner (Mathias Gnädinger) macht sich und andern das Leben schwer. Der Rentner klaut und raucht und trinkt - trotz einer defekten Leber. Eigentlich hat er mit dem Leben abgeschlossen, denn wer spendet einem alten Kerl wie ihm schon ein Organ? Da bietet ihm Egon Schöllkopf (Lorenz Keiser) einen Deal an: Er hätte da einen Spender, meint der Arzt, der hätte ein schwaches Herz, aber eine starke Leber. So kommt es zum Vertragsabschluss: Wer zuerst stirbt, spendet zuerst - dem anderen.

Der schlaue Wanner macht den Gegenkandidaten ausfindig, der natürlich geheim bleiben soll. Es ist der griesgrämige Fritz Pollatschek (Nikolaus Paryla), der als Privatdetektiv auf eigene Faust bespitzelt. Die beiden Spender in spe lernen sich kennen und spannen zusammen, als sie hinter die Machenschaften des sauberen Doktor kommen, denn der geschäftet mit Mafiosi und lässt sich Organe beschaffen. Bleibt die Frage: Wer überlebt wen?

Um das Dreigestirn Max und Fritz und Egon gruppieren sich weitere Gestalten: Schwester Jasmin (Yangzom Brauen), die sich für Tibet einsetzt, der depressive Luigi (Leonardo Nigro), Wanners potenzielle Schwiegertochter Sabine (Laura de Weck), die woanders landet, als vorgesehen, die Operndiva Irina Reskova (Ilona Markarova), von Doktor Schöllkopf angehimmelt und unfreiwillig versetzt, und nicht zuletzt eine kochende, aber auch sonst aktive Rentnergang.

Lorenz Keisers bissige Satire wird vor allem von den beiden "Organträgern" getragen: Gnädinger, das Schweizer Urgestein, gibt sich wuchtig und grimmig - Paryla, der Zürcher mit Wiener Schmäh, gebärdetet sich pfiffig und grantelnd. Obwohl es um ein ernstes Thema geht, gibt es einiges zu schmunzeln. Dabei teilt Keiser träfe gesellschaftliche Seitenhiebe aus: Mal wird das gehobene Opernpublikum aufs Korn genommen, mal Klischee-Mafiosi und bitterernster Organhandel, schräge Senioren oder das liebe Leid um die Liebe. Eine amüsante schwarze Komödie, nicht ohne Klischees, aber mit viel Herz und Augenzwinkern.

15.11.2010

4

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Kommentare

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oscon

vor 7 Jahren

Unterhaltsamer (mehr aber auch nicht!) Schweizer Film mit tollen Dialogen (Lorenz Keiser lässt grüssen!). Lorenz Keiser wirkt zwar etwas zu "kaberetistisch", ansonsten sind die überzeichneten Figuren sehr amüsant: Herausragend die Rentner-Gang mit ihren Hauptprotagonisten Mathias Gnädiger und Nikolaus Paryla.Mehr anzeigen


Patrick

vor 7 Jahren

TÖDLICHE FREUNDSCHAFT!
Unterhaltsamer Krimi-Comedy Spass, bei dem Mathias Gnädinger & Nikolaus Paryla Zusammenspiel genau so köstlich ist wie einst bei Walter Matthau und Jack Lemmon.


diorelle

vor 9 Jahren

Ich bin absolut sehr positiv überrascht von diesem Film!
Wir konnten viel Lachen und für einen schweizer Film echt super!!!
Sehr empfehlenswert für jung und alt


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