Küss den Frosch USA 2009 – 97min.

Filmkritik

Von der Tellerwäscherin zur Prinzessin

Filmkritik: Cindy Hertach

Disney zeichnet wieder von Hand - und hat eine neue Farbe entdeckt. Schade nur, muss die erste schwarze Disney-Prinzessin die meiste Zeit als grüner Frosch über die Leinwand hüpfen.

New Orleans, 1920: Um sich den Traum vom eigenen Restaurant zu erfüllen, spart die schwarze Kellnerin Tiana jeden Cent. Als ihre Freundin Charlotte eine Kostümparty veranstaltet, wird auch Prinz Naveen aus dem fernen Maldonien eingeladen. Doch der Prinz lässt sich aus Geldnot auf einen Deal mit einem Voodoo-Priester ein, der ihn prompt in einen Frosch verwandelt. Mit einem Kuss will Tiana aus Mitleid den verzauberten Prinzen retten, wird damit aber selber zum Frosch. Nun müssen sie die Mama Odie in den Sümpfen finden, denn nur sie kann den Zauber wieder rückgängig machen.

Nach Treasure Planet (2002) zog Disney die Konsequenzen aus einer langen Reihe von kommerziellen Misserfolgen und schloss seine Zeichentrickfilm-Abteilung. Die Tage des handgearbeiteten Trickfilms schienen angesichts der viel erfolgreicheren Konkurrenzprodukte Pixars oder DreamWorks Animation endgültig gezählt. Mit "The Princess and the Frog" besinnt sich der Konzern wieder auf seine handwerklichen Wurzeln und damit auf die klassische Animation zurück.

Unter Ron Clements ist nun ein Märchen mit der typischen visuellen Wärme und einzigartigen Pracht eines handgezeichneten Disney-Films entstanden, in klassischer Manier mit zahllosen Musical-Einlagen aufgelockert. Neben der farbenfrohen Ästhetik unterstreicht vor allem die Originalmusik Randy Newmans - eine breite Palette des typischen Südstaaten-Sound - die lebendige Atmosphäre in und um New Orleans herum.

Neben der "altmodischen" Machart wagt Disney mit der weiblichen Hauptfigur eine kleine Revolution: Nach der orientalischen Prinzessin Jasmin (Aladdin), der indianischen Häuptlingstochter Pocahontas und dem chinesischen Bauernmädchen Mulan zieht mit Tiana nun endlich die erste afroamerikanische Disney-Prinzessin in die globalen Kinderzimmer ein. Ambitioniert und eigenständig vermittelt sie das positive Bild einer emanzipierten afroamerikanischen Frau.

Doch die eigene (ideologische) Tradition und die Erwartungshaltung des weissen Mainstream-Publikums scheinen Disneys Beitrag zur Rassengleichheit relativiert zu haben. Das hat nicht in der US-Presse für einigen Wirbel gesorgt. Wirklich schwarz - wie die Filmmusik und Magie im Film - durfte Tiana, deren Hautfarbe von hellem Schokobraun ist, nicht sein. Und einen echten schwarzen Prinzen hielt Disney offenbar für untragbar. Aber vielleicht ist diese Beobachtung unerheblich: Die Vertreterin der afroamerikanischen Bevölkerung hüpft die meiste Zeit als kleiner grüner Frosch durchs Bild.

10.12.2009

3

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Kommentare

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gefuehlsmensch

vor 6 Jahren

toller Film


chuchiterrorist

vor 7 Jahren

witzig aber nicht für schreckhafte Kinder geeignet....


Barbarum

vor 8 Jahren

Braucht sich nicht vor den anderen Disneyklassikern zu verstecken. Kurzweiliges Zeichentrickvergnügen, samt der dazugehörigen Disneymagic. Plus das ständige Gesinge ergibt in New Orleans, der Stadt des Jazz, sogar noch halbwegs einen Sinn.


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