Das andere Ufer Georgia, Kazakhstan 2009 – 90min.

Das andere Ufer

Filmkritik

Auf der Suche nach dem verlorenen Vater

Filmkritik: Eduard Ulrich

Ein Flüchtlingsjunge verlässt seine Mutter und macht sich auf die Reise, um seinen vor Jahren zurückgelassenen Vater zu suchen. Der georgische Regisseur George Ovashvili erzählt diese Geschichte in präzisen Szenen und mit realistischen Bildern.

Heraklit meinte, der Krieg sei der Vater aller Dinge, aber Heraklit kannte weder den Film noch den modernen Krieg - jedenfalls nicht den zwischen Georgien und Abchasien. Den brach ein von allen guten Geistern verlassener Jurist aus den Vereinigten Staaten vom Zaun, nachdem er sich mit falschen Versprechen an die Spitze des Staates Georgien hatte wählen lassen. Dieser Krieg mag vielleicht sogar ein Vater für einiges gewesen sein, er nahm aber viel mehr Kindern die Väter weg.

Eines davon ist der etwa 12jährige Tedo, der mit seiner georgischen Mutter aus Abchasien hatte fliehen müssen, während sein Vater im Spital zurückbleiben musste. Zusammen sind sie ein wenig außerhalb von Tiflis gestrandet, und seine junge, attraktive Mutter fand anscheinend nur genau eine Möglichkeit, Geld zu verdienen, was ihm sehr missfällt. Er hängt mit anderen Jugendlichen herum, die auch nicht zur Schule gehen und auf krummen Touren zu Geld kommen wollen, was wiederum seiner Mutter sehr missfällt. Als es auch noch Probleme mit seiner Clique gibt, entschließt er sich, seinen Vater zu suchen.

Diese Reise zwischen zwei Staaten im Kriegszustand durchs Niemandsland entwickelt sich zu einer Fahrt in der Geisterbahn für politisch Naive, die erste Erfahrungen mit einer Situation sammeln wollen, in der die staatliche Ordnung teilweise zusammengebrochen ist und, was davon noch übrig ist, von einer korrupten und willkürlichen Soldateska als Fassade aufrechterhalten wird. So ist es fast ein Rätsel, dass Tedo nach einer Serie verstörender Erlebnisse nicht umkehrt. Anscheinend besitzt er die Fähigkeit, sich in seine eigene Gedankenwelt zurückzuziehen, und der Wunsch, seinen Vater zu finden, ist wohl übermäßig stark.

Der Regisseur scheut sich nicht, die Greueltaten auf beiden Seiten anzusprechen, am Herzen liegt ihm aber offenbar die Klage über diese sinnlose Zerstörung von Menschen und Materiellem. Dazu lässt er die Bilder und Begegnungen für sich sprechen, ein Kommentar ist überflüssig, und er punktet mit einer schlichten, geradlinigen Inszenierung.

16.03.2011

3

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