Mammut Dänemark, Deutschland, Schweden 2009 – 125min.

Filmkritik

Am meisten leiden die Kinder

David Siems
Filmkritik: David Siems

Lukas Moodyssons Drama mit Gael Garcia Bernal und Michelle Williams schlägt eine ähnliche Richtung ein wie "Babel", kann aber nicht ganz mit seinem Vorbild mithalten. Auch in "Mammoth" geht es in multiplen Handlungssträngen um Eltern und Kinder, die unter den Bedingungen der modernen Arbeitswelt leiden.

Auf der letztjährigen Berlinale wurde das weltumspannende Familiendrama großspurig angekündigt - und gnadenlos ausgebuht. Der Vorwurf: Der Film sein nur eine schlechte Kopie von Alejandro González Iñarrítus "Babel", jener Erzählung über Ursache und Wirkung zwischen Erster und Dritter Welt. Die Wogen haben sich mittlerweile geglättet. Denn trotz inhaltlicher Parallelen lässt sich eine klare eigene Handschrift des schwedischen Independent-Regisseurs Lukas Moodysson erkennen.

"Mammoth" erzählt von der kapitalistischen Geißel des modernen Menschen, der sich immer häufiger zwischen Familie und Arbeit entscheiden muss. Ellen (Michelle Williams) und Leo (Gael Garcia Bernal) sind ein erfolgreiches New Yorker Ehepaar. Doch der finanzielle Segen hat seinen Preis: Für ihre achtjährige Tochter (Sophie Nyweide) bleibt den Karriere-Eltern nur wenig Zeit. Jackie verbringt ihre Tage in der Regel mit dem philippinischen Kindermädchen (Marife Necesito), das ebenfalls von starken Sehnsüchten und Fernweh heimgesucht wird, weil sie ihre beiden Söhne in der Heimat zurücklassen musste. Die Ausgangslage in dieser Familiengeschichte ist bedrückend: Alle Personen sind ihrer Arbeit verpflichtet und tun etwas, was sie im tiefsten Herzen nicht wollen. Als Leo zu einer Geschäftsreise nach Thailand aufbricht, offenbaren sich durch tragische Erlebnisse die fragilen Zusammenhänge einer globalisierten Welt.

Wo "Babel" von unbändiger emotionaler Kraft und Tragik strotzte, nimmt "Mammoth" deutlich weniger Fahrt auf, legt den Finger aber in ähnliche Wunden. Auch hier ist es das Leid von Kindern, das am stärksten herausgearbeitet wird und zur großen Nebenwirkung des modernen Kapitalismus erklärt wird. Dennoch ist es gerade seine Zurückhaltung, die dem Film nicht immer gut tut. Man kann die Unentschlossenheit der Erzählung aber auch nur als Parallele zur Ohnmacht ihrer Protagonisten sehen, die in den Zwängen des modernen Lebens ihre ursprünglichen emotionalen Bindungen vernachlässigen müssen.

Moodyssons Drama ist dennoch ein wichtiges Statement über den fatalen Kreislauf von Ursache und Wirkung zwischen technologisierter Erster Welt und gebeutelter Dritter Welt. Mit etwas gedämpfter Erwartungshaltung wird man den Film im Kino garantiert nicht mehr ausbuhen.

05.12.2012

3

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Kommentare

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anabah

vor 7 Jahren

Berührender Film, der die Gratwanderung bzw. Schwierigkeiten des heutigen Eltern-Seins genau auf den Punkt bringt. Hat mir sehr gefallen, aber mich auch etwas aufgewühlt, auch weil die Globalisierung unserer Welt mal wieder auf eine andere Art beleuchtet wurde. Sehr sehenswert auch dank den beiden Top-Darstellern Michelle Williams und Gael Garcia Bernal.Mehr anzeigen


Urs23

vor 9 Jahren

Hat mir nicht wirklich gefallen.


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