CH.FILM

Im Sog der Nacht Deutschland, Schweiz 2009 – 100min.

Filmkritik

Drei Freunde sollt ihr sein

Kyra Scheurer
Filmkritik: Kyra Scheurer

In der deutsch-schweizerischen Koproduktion schliesst sich Nils Althaus zwei Bankräubern an und gerät dabei nicht nur in den Sog der Nacht, sondern auch der Gewalt. Die Sogwirkung, die der Film entwickelt, springt dabei durchaus auch auf den Zuschauer über.

Eine Hütte in den Bergen, die trügerische Ruhe nach einem Verbrechen, eine Frau zwischen zwei Männern, von denen einer Stipe Erceg ist - nein, dieser Film heisst nicht "Die fetten Jahre sind vorbei". Bei allen augenfälligen Parallelen unterscheidet sich die deutsch-schweizerische Koproduktion "Im Sog der Nacht" wohltuend von Hans Weingartners Film - zum Beispiel durch eine glaubwürdigere Psychologie, eine temporeichere Erzählung und ein deutlich weniger ideologisch überfrachtetes Gesamtbild.

Roger (Nils Althaus) hat niemanden mehr: Nachdem seine Familie bei einem Unfall ums Leben kam, hat ihn auch noch die Freundin verlassen und er selbst schafft es nicht einmal, sich zu erschiessen. Nachdem er mit dem Gewehr abgerutscht ist, finden ihn Chris und Lisa, ein ebenso lebenshungriges wie desillusioniertes Pärchen. Nach einer Clubnacht stehlen sie ein Auto - Generalprobe für einen grösseren Coup, bei dem Roger zum Komplizen eines Bankraubes wird, der nicht ganz so läuft, wie die drei sich das vorgestellt haben. Das "Trio infernal" setzt sich in eine Berghütte ab und ist ganz der angespannten Gruppendynamik ausgesetzt - aussteigen kann niemand mehr, auch wenn Roger es gelegentlich versucht. Längst wird er abwechselnd verführt von Lisas sanfter Seite und Chris' kompromisslosem Draufgängertum. Als sie auch in den Bergen nicht mehr sicher sind, schraubt sich die Gewaltspirale höher und es scheint keinen Ausweg mehr zu geben aus dem "Sog der Nacht".

Leinwanddebütant Markus Welter, seit 1994 als Werbefilmer in der Schweiz tätig, verstärkt in seiner recht freien Adaption einer Romanvorlage des norwegischen Autors Fredrik Skagen den Fokus auf die emotionalen und psychischen Spannungen innerhalb der Gruppe und lotet so die Abgründe der Dreierdynamik aus, ohne sie penetrant durchdiskutieren zu lassen. Dank einer präzise kondensierenden Montage und einer bereits im Drehbuch angelegten elliptischen Erzählweise entsteht auch für den Zuschauer ein Sog: Ein gelungener Genrefilm mit hoher Grundspannung und absolut stimmigem Rhythmus, der nahe bei seinen Figuren bleibt. Ein paar pathetische Schnitzer und das überflüssigerweise aus Stephen Frears' "Queen" entliehene Dammwild verzeiht man da gerne und bleibt neugierig auf den nächsten Film von Welter.

15.10.2009

3

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Kommentare

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djd11

vor 12 Jahren

Hab den Film in Deutschland gesehen. Ist echt nervenaufreibend, spannend und zieht einen hinein. Unbedingt zu empfehlen. Die drei Hauptdarsteller spielen über alle Massen intensiv. Wow. Da könnte sich die alte Garde noch etwas abschauen. Vor allem Nils Althaus spielt mit riesiger Intensität und Authentizität.Mehr anzeigen


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