Shopaholic - Die Schnäppchenjägerin USA 2009 – 105min.

Shopaholic - Die Schnäppchenjägerin

Filmkritik

Bonbon auf Streichholzbeinchen

Sonja Eismann
Filmkritik: Sonja Eismann

15 Millionen Mal hat sich Sophie Kinsellas Bestseller "Confessions of a Shopaholic" weltweit verkauft - da ist es doch wohl das Mindeste, dass Produzenten-Mogul Jerry Bruckheimer sich des Stoffes annimmt und einen aufgedonnerten Hollywood-Chick-Flick daraus bastelt.

Nachdem Rebecca (Isla Fisher) eine gefühlte Aschenputtel-Jugend mit Second-Hand-shoppenden, sparsamen Eltern verbringen musste, schmeißt sie - nun in New York lebend - ihr Geld mit vollen Händen für schick-schrille Fummel raus. Nur: Sie gibt Geld aus, das sie gar nicht hat, denn als Journalistin eines Gartenblättchens verdient sie nicht unbedingt Reichtümer. Ihre große Chance scheint gekommen, als sie sich beim von ihr sklavisch vergötterten Modemagazin "Alette" vorstellen darf - doch statt der Traumanstellung bekommt sie nur einen Job bei einem drögen Finanzratgeber, ohne als hochverschuldete Kaufsüchtige von Wirtschaft die geringste Ahnung zu haben. Doch sobald die Zuschauerinnen nur einen Blick auf ihren neuen Boss werfen, den ach so goldig verwuschelten, britischen (Achtung, Romantik-Alarm!) und, wie sich später herausstellen soll, aus einer stinkreichen Familien stammenden und trotzdem grundintegeren Chefredakteur Luke, ist schon klar, was sich hier Genre-gerecht anbahnt. Denn merke: Kleider kann man kaufen, Liebe nicht.

Natürlich hatte man kaum erwartet, dass eine kitschige Bestseller-Verfilmung ein interessantes Statement zur Finanzkrise abgeben würde. Aber wie hier in schwelgerischen Farben und geradezu plastischer Materialität das zelebriert wird, was der Film zu kritisieren vorgibt, nämlich die Konsumräusche der "Heldin", ist schon arg verlogen. Wenn die aufgetakelte Rebecca wie ein fabelhaftes Bonbon auf zwei dünnen Streichholzbeinchen ihre jeweils neue, immer ein wenig zu grelle, aber trotzdem fantastisch aussehende Shopping-Beute vorführt, denken sich die Zuseherinnen nicht: "Ach, würde sie doch lieber zu ihren inneren Werten finden und in Sack und Asche gehen!". Sondern wohl eher: "Wo sind der nächste Designer-Shop und meine goldene Kreditkarte?"

Zudem wirkt das, was als drollige Ungeschicktheit über die Leinwand kommen soll, an der Figur der Rebecca mitunter in seiner Slapstickhaftigkeit so abstoßend, dumm und hohl, dass man partout nicht nachvollziehen kann, wieso der smarte Chefredakteur Luke sich für sie interessieren sollte. Ein kleiner Lichtblick sind Nebenfiguren wie Kristin Scott Thomas als fies-mondäne Alette-Chefin, Joan Cusack als pragmatische, immer etwas peinliche Mutti und Newcomerin Krysten Ritter als überdrehte, aber treue Busenfreundin. Erst im Abspann, als sich der Wandel des Shopping-Zombies vollzogen hat, fängt der Film an, sympathisch zu werden - aber da ist er dann leider schon wieder vorbei. Denn letztlich geht es natürlich nicht darum, das bescheidene Leben zu zeigen, sondern glamouröse Hollywood-Träume an die Frau zu bringen. Und die shoppen eben nicht Second Hand.

25.11.2011

2

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Kommentare

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neneli

vor 9 Jahren

Seichte Story, trotzdem unterhaltsam: nicht ganz vergäudete 2 Stunden!


jeve

vor 9 Jahren

Mir gefiel das Buch besser.


Gelöschter Nutzer

vor 10 Jahren

tja.. ich bin ein filmaholic!


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