Brothers USA 2009 – 104min.

Filmkritik

Der Krieg kommt mit nach Hause

David Siems
Filmkritik: David Siems

Hollywood entdeckt ein neues Genre: das Kriegsheimkehrer-Drama. Als ein totgeglaubter Soldat nach Hause kommt, kämpft er nicht nur gegen sein Trauma an, sondern stellt auch die Liebe seiner Frau und Kinder auf den Prüfstand. Sein Bruder spielt in der Angelegenheit eine heikle Rolle.

Amerikanische Filmproduzenten sind merkwürdige Leute. In schöner Regelmäßigkeit entdecken sie Perlen auf dem europäischen und asiatischen Markt und stricken daraus Remakes für das heimische Publikum. Im Fall von "Brothers" (das gleichnamige Original stammt von der dänischen Regisseurin Susanne Bier), drängt sich eine neue Version allerdings gerade zu auf, so brisant und zeitgeistlich ist die Geschichte in ihrem Kern.

"Brothers" erzählt von den Folgen, die der Afghanistan-Krieg auf das amerikanische Familienleben hat. Regisseur Jim Sheridan verzichtet dabei auf subtile politische Statements in der Tradition des Anti-Kriegsfilm-Genres. Vielmehr erzählt er eine Schicksalsgeschichte mit den Stilmitteln des Melodrams: US-Soldat Sam Cahill (Tobey Maguire) kommt in Afghanistan ums Leben, als sein Hubschauber abgeschossen wird und abstürzt. Er hinterlässt seine Frau Grace (Natalie Portman) und zwei Töchter, die in Ohnmacht versuchen, gegen den Verlust anzukämpfen.

Sams Bruder Tommy (Jake Gyllenhaal) wurde just aus dem Gefängnis entlassen und versucht derweil die emotionale Lücke zu schließen, die der Tote hinterlassen hat. Der interessante und etwas zu knapp erklärte Twist folgt zur Hälfte des Films: Es stellt sich heraus, dass Sam gar nicht tot ist, sondern den Hubschauberabsturz überlebt hat und in Kriegsgefangenschaft war. Zurück in der Heimat wandelt er wie ein Geist durch das eigentlich so vertraute familiäre Eigenheim und trifft auf emotional verwirrte Angehörige.

"Brothers" ist nicht nur eine Dreiecksgeschichte zwischen konkurrierenden Brüdern, sondern viel mehr die Bestandsaufnahme heimgekehrter Soldaten im achten Jahr nach Beginn des Afghanistan-Kriegs. Jim Sheridan gelingt es dabei, die erlittenen Traumata seiner Figuren an verschiedenen Fronten zu skizzieren und emotional einzuordnen. So hat etwa auch Sams und Tommys Vater Hank (Sam Shepard), ein altgedienter Marine, mit den Folgen des Krieges zu kämpfen, die er konstant in Alkohol zu ertränken versucht.

In seinem früheren Film "In America" hat Jim Sheridan bereits bewiesen, dass er ein gutes Händchen für Kinderdarsteller hat, die auch hier eine tragende Rolle übernehmen. Fernab seiner Charakterstudie der drei Protagonisten sind es bei Sheridan nämlich die jungen Töchter, die im Zentrum seiner emotionalen Gewichtung stehen und zu eigentlich Leidtragenden gehören. In der Tradition des modernen Anti-Kriegsfilms schlägt "Brothers" somit ein gänzlich neues Kapitel auf, das man in ähnlicher Form nur von Oliver Stones Vietnam-Heimkehrerdrama "Born on the 4. of July" kennt.

20.04.2010

4

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Kommentare

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Patrick

vor 9 Jahren

STARKES ENSEMBLE.
Der Film hat schöne aber keine kitschige momente sowie Krieges-Szenen die mehr im Kopf abspielen und daher mehr unter die Haut geht.
Die Darsteller sowie Kamera-aufnahmen sind einfach Grandios.


ingrid83

vor 9 Jahren

Guter Filmstoff. Meiner Meinung nach wurde aber zu wenig daraus gemacht.


tgdegra1

vor 10 Jahren

sehr traurig aber auch sehr schön und ergreifend. für mich ätte der film etwas lenger dauern dürfen.


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