Disneys Eine Weihnachtsgeschichte USA 2009 – 96min.

Filmkritik

Zurück in die Zukunft

Björn Schäffner
Filmkritik: Björn Schäffner

Stille Nacht? Heilige Nacht? Mitnichten. Jim Carrey steht Pate für Robert Zemeckis' digitale Reinkarnation des Weihnachtsklassikers von Charles Dickens.

Er empfinde die Motion Capture-Technologie - in der die Schauspieler erst in 3D eingefangen und ihnen dann rundherum digitales Leben eingehaucht wird - als etwas Befreiendes, gab Regisseur Robert Zemeckis ("Back to the Future", "Who Framed Roger Rabbit?") der amerikanischen Presse zu Protokoll. Dabei wirkt seine Dickens'sche Stadt einiges lebendiger - zumal in 3D - als sein letzte Motion Capture-Produkt "Beowulf". Ziemlich atemberaubend, wie die Kamera eingangs über den Strassen schwebt, die Menschen aus der Vogelperspektive ins Visier nimmt, durch die Lüfte saust, von einem viktorianischen Gebäude zum nächsten.

Die neue Technologie macht vieles möglich. Etwa den dreizehnminütigen Shot, eine einzige lange Kameraeinstellung, in der der Geist der vergangenen Weihnacht den Misanthropen und Geizknacker Ebenezer Scrooge durch die eigene Vergangenheit führt. Zemeckis inszeniert die Verwandlung des alten Geldverleihers Ebenezer Scrooge (Jim Carrey) als eine virtuelle Achterbahnfahrt: Der Film ist ein grosses Rasen, Taumeln und Donnern, und dabei zitiert der Regisseur schon mal seinen Ziehvater Steven Spielberg und dessen "E.T.".

Der Film entledigt sich auch teils des im Zusammenhang mit 3D-Verfilmungen oft gehörten Vorwurfs, Kunst zum Selbstzweck zu betreiben: Wenn dem 3D-bebrillten Publikum die hohle Hand eines Bittstellers engegengereckt wird, dann hat das schon seine Berechtigung. Inhaltlich hält sich Zemeckis zwar eng an die literarische Vorlage, andererseits darf man sich getrost fragen, was Dickens wohl mit diesem digitalen Wirbelwind angefangen hätte.

Der Regisseur behauptet im Presseheft, seine Version trage der visuellen Qualität des Stoffs endlich Rechnung - im Unterschied zu allen früheren Filmversionen. Das Problem ist nur: Scrooge ist kein Actionheld à la Indiana Jones; die rasanten Fahrten des doch erstaunlich rüstigen Geriatrikers entsprechen zwar den Erwartungen eines verwöhnten Popcornpublikums, nicht aber unbedingt dem Geist (oder den Geistern) der Vorlage. So richtig weihnächtliche Gefühle wollen da nämlich nicht aufkommen.

05.12.2014

3

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Kommentare

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dulik

vor 2 Jahren

Eine gelungene Animationsverfilmung der berühmten Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Die Tatsache, dass die Figuren möglichst realitätsnah animiert wurden, wirkt am Anfang noch etwas befremdlich und lässt auch wegen der durchaus düsteren und gruseligen Stimmung nicht vermuten, dass dieser Film aus dem Hause Disney stammt. Der Streifen ist aber ideal, um während der heiligen Zeit wieder einmal daran erinnert zu werden, auf welche Werte es im Leben tatsächlich ankommt.
7/10Mehr anzeigen


gefuehlsmensch

vor 7 Jahren

Hat mir viel Spaß bereitet.


Patrick

vor 10 Jahren

Eine Skurrile X-mas Story!
Diese Version kommt nicht süss und kitschig alla Disney(also nichts für Kinder unter 13 Jahre) daher sondern teilweise Bitter Böse und Skurril plus einem Hauch Tim Burton stil, der Film ist aber nicht von ihm sondern von R. Zemeckis.
Grandios ist die Machart vom Film die auf Blu-ray sehr gut rüber kommt.
Eine Weihnachts Geschichte ist ein tolles x-mas Geschenk für Tim Burton Fans und alle die den Film Der Polarepress mochten.
Ich gebe dem Film 3 1/2 Punkte.Mehr anzeigen


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