CH.FILM

Un petit coin de paradis Schweiz 2008 – 85min.

Un petit coin de paradis

Filmkritik

Zwischen Berg und Tal

Filmkritik: Cindy Hertach

Dokumentarfilm über den Wiederaufbau eines verlassenen Walliser Dorfes und dessen einstige und zukünftige Bevölkerung: ein unaufgeregtes Plädoyer für den nachhaltigen Tourismus und die ökologische Bewirtschaftung der Schweizer Alpenregionen.

Ossona ist ein kleiner Weiler im Val d'Hérens, nahe der Grande-Dixence Staumauer. Zu klein und wirtschaftlich zu unerheblich, um die steigenden, materiellen Ansprüchen seiner Bewohner zu erfüllen, wurde das Dorf Mitte der 1960er Jahre verlassen. Die Menschen wanderten in die umliegenden Städte ab, Flora und Fauna eroberten die ehemals bewirtschafteten Felder zurück, die Gegend verwaldete. Bis die zuständige Gemeinde Saint-Martin vierzig Jahre später entschied, die Region für ein nachhaltiges Tourismus-Projekt zu erschliessen und damit auch das baufällige Dörfchen zu rekonstruieren.

Jaqueline Veuves Dokumentarfilm begleitete Aufbau und Neubesiedlung Ossonas und damit auch die Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen zwischen 2005 und 2008 dort aufhielten. So trifft Ossonas ehemalige Bevölkerung, unterdessen auf eine Handvoll Greise und Greisinnen geschrumpft, auf eine Gruppe von Secondo-Teenagern, die in einem Programm für verhaltensauffällige Jugendliche beim Wiederaufbau der dörflichen Infrastruktur mithelfen. Es kommt zu regelmässigen, generationenübergreifenden Treffen, man hört sich die Geschichten und Gedanken der Anderen mit höflicher Aufmerksamkeit an und wenn die Alten in der Erinnerung ihrer einfachen, aber idyllischen Jugend schwelgen, versuchen die Jungen zögernd ihre Zukunft einzuschätzen. Sie spekulieren über die anstehende Lehrstellensuche, über Reisen, die sie unternehmen und Familien, die sie irgendwann einmal gründen möchten.

Neben den sozialen Veränderungen interessiert sich die Westschweizer Filmemacherin aber auch für die Unwägbarkeiten und Zwänge, denen ein solches Projekt ausgesetzt ist. Während immer wieder die üppige Natur der Region in malerischen Bildern gefeiert wird, debattiert der an wirtschaftlichem Profit orientierte Projektleiter mit dem Greenpeace-Aktivisten hitzig über die Prioritäten des Umweltschutzes, streitet sich der neu eingestellte Bio-Bauer mit den Gemeinde-Politikern über seine Autonomie und ihre Business-Pläne. Dies sind nur einige der zahlreichen Gegensatzpaare, welche die renommierte Dokumentarfilmerin Veuve aus ihren Beobachtungen wie beiläufig hervorzuheben versteht. Im Spannungsfeld von Naturschutz, Landwirtschaft, Tourismus und schwindenden regionalen Traditionen bildet sich dank Veuves feinfühliger Beobachtung ein intimes Porträt der Generationen heraus, das vor der pittoresken Kulisse der Waliser Berge auch eine kontemplative und vielschichtige Reflexion über Gegenwart und Zukunft der nachhaltigen Bewirtschaftung der Schweizer Alpen miteinschliesst.

19.05.2009

4

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