Troubled Water Deutschland, Norwegen, Schweden 2008 – 115min.

Filmkritik

Schuld, Scham und Charme

Filmkritik: Eduard Ulrich

1993 wurde der zweijährige Engländer James Bulgur von zwei Zehnjährigen entführt, gequält und zuletzt getötet. Einen ähnlichen Fall nimmt der norwegische Regisseur Erik Poppe als Ausgangspunkt, interessiert sich aber für das Leben nach der Haft. Daraus entwickelt er eine packende Beziehungsgeschichte, die wichtige Fragen stellt.

Acht Jahre Haft sind vergangen, Jan - einer der beiden damals jugendlichen Übeltäter - wird entlassen. In Norwegen weiß der Staat alles, eine neue Identität gibt's, anders als in England, nicht. Also heißt es, mit dem Risiko leben, entdeckt zu werden. Dass der sympathische junge Mann (mit starkem natürlichen Charme Pal Sverre Valheim Hagen), der sich bei einer Kirchgemeinde als Organist bewirbt, ein Kind auf dem Gewissen hat, sieht man ihm nicht an und vermutet man auch nicht, wenn man bemerkt, wie verantwortungsvoll und umsichtig er vorgeht. Dass ihn sein schlechtes Gewissen plagt, ohne dass er es zugibt, zeigt sich allerdings in speziellen Reaktionen auf alltägliche Ereignisse. Wie es der Teufel so will, ist die junge Pastorin der Kirchgemeinde alleinerziehende Mutter und einer Beziehung nicht abgeneigt, auch wenn Jan sich unumwunden als ungläubig zu erkennen gibt.

Da wär schon genug Spannung auf mehr als einer Ebene im Spiel, aber die Vergangenheit ist ein Joker, auf den der Regisseur nicht verzichten kann. Allerdings schafft er geschickt mittels Rückblenden, subtiler Kameraführung und eleganten Umschnitten ein Maximum an Möglichkeiten und hält sie lang in der Schwebe. Film ist dann spannend, wenn er die Fantasie anregt, des Menschen reichste Erlebnisquelle. Wie die beiden Traumatisierten im Auto dahinrasen, schöpft er sein Potential aus, in diesem Moment kann alles passieren - vielleicht sogar Vergebung. Unaufgeregt wird dabei die Frage verhandelt, ob einer, der inzwischen ein ganz anderer ist, für seine Jugendsünden ohne Ende büßen muss.

Und Poppe kneift nicht, indem er das Unheil ausgeblendet, das Jan angerichtet hat. Der Stoff wird in einer Art Engführung auf den Punkt gebracht, wenn die abstrakte Glaubensabsolution auf die konkrete menschliche Entscheidung eingedampft wird und sich bewähren muss. Die Detailgenauigkeit bleibt sogar gewahrt, während sich die dramatische Entwicklung beschleunigt. Wenn über "O Haupt voll Blut und Wunden" improvisiert wird, hört man, dass hier Profis am Werk waren, die nichts dem Zufall überließen - auch visuell. Viele Preise in verschiedenen Kategorien an mehreren Filmfestivals sind der Lohn für dieses scheinbar schlichte, aber äußerst dichte Meisterwerk.

17.02.2010

5

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Kommentare

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gefuehlsmensch

vor 7 Jahren

wolle Schauspieler, gut gedreht.


luckystar1

vor 11 Jahren

Eindrücklicher Film!


windfeeli

vor 11 Jahren

Ich schliesse mich definitiv Michael Moore's Meinung an: fürmich der beste Film, den ich seit langem gesehen habe - und ich habe viele gute Filme gesehen. Aber hier stimmt einfach alles. Noch dazu ist der Hauptdarsteller einfach ein absoluter Schnügel und die Liebesszene mit seiner blonden Engelspastorin ebenfalls die schönste, die ich je gesehen habe.

Es stimmt mich nur immer wieder traurig, dass solche filmerischen Bijoux so tausendmal weniger Aufmerksamkeit bekommen als die Megaproduktionen wie Avatar.....

Also, unbedingt reingehen!!!!

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