The Dark Knight USA 2008 – 152min.

Filmkritik

American Gothic

Benedikt Eppenberger
Filmkritik: Benedikt Eppenberger

«The Dark Knight», Christopher Nolans zweiter Batman-Film, führt das Superheldengenre zu neuen Ufern. So meisterhaft wie dem Briten ist die Verbindung von utopischem Actionthriller, romantischem Drama und Comic-Superheldenmythos noch keinem gelungen. Daneben nehmen sich Hulk & Co. aus wie Krippenfiguren im Montessori-Kindergarten.

Seit längerem schon lagen uns die Kinobetreiber mit ihrer Klage über fehlende Blockbuster in den Ohren. Dann krachte mit «Iron Man» der erste Superheld in die Parade der Jammersäcke. Doch das war erst der Beginn. Jetzt folgt mit «The Dark Knight» der Erlöser des Kinojahres 2008. Comic-Superhelden in Kinoformat sind endgültig zur grössten Geldmaschine Hollywoods geworden. Begonnen hatte dieser Superheroen-Boom der A-Klasse bereits vor 30 Jahren mit Richard Donners «Superman». Anerkennung bei der Kritik erhielt dieses Comic-Kino aber erst 1989 mit Tim Burtons «Batman»-Verfilmung. Man lobte damals vor allem den düster-freakigen Stil. Doch das war gestern. Stellt man heute den Burton-Batman neben die radikale Neuinterpretation, wie sie der Brite Christopher Nolan zuerst 2005 mit «Batman Begins» und jetzt mit «The Dark Knight» vorgenommen hat, wirkt der Oldie dagegen so anarchisch wie ein unaufgeräumtes Kinderzimmer.

Mit «The Dark Knight» wollte Christopher Nolan endgültig weg vom Bazooka-Joe-Image hin zu mehr Richard Wagner, Faust, Mephisto. So wie die Romantiker im vorletzten Jahrhundert fürs Volk kunstvoll die dunkle Seite der Aufklärung mit Märchen und Horrorgeschichten heraufbeschwörten, funktioniert Nolans furioses Fledermausspektakel als zeitgenössischer Ausdruck von Weltekel und Unbehagen in der modernen Gesellschaft. Eigentlich müsste man lachen angesichts eines Mannes, der mit Gummifledermausohren verkleidet in Schanghai einen Mafioso kidnappt, um ihn in Gotham City vor Gericht zu bringen.

Doch wenn sich Bruce Wayne (Christian Bale) in seinen Batman-Hartgummianzug zwängt, eine Maske überzieht und dann mit seinem High Tech-Arsenal auf Gangsterjagd geht, herrscht Erhabenheit. Das ist Nolans Verdienst. Er nimmt diesen Wayne/Batman ernst und zeigt, wie er Gangster hetzt, die von legalen Global Players kaum noch zu unterscheiden global vernetzt handeln. Diese Technokraten denken in Kosten-Nutzen-Kategorien und beherrschen Politik, Wirtschaft sowie das Militär. Vorbei die Zeit, als die Bösen noch so richtig kranke Outsider waren. Die Freaks von heute sind Figuren wie Selbstjustizer Batman, sein Freund Lieutenant Jim Gordon (Gary Oldman) oder Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart), die die Schwachen schützen wollen.

Wie aus dem Nichts gesellt sich zu dieser Liga der anarchische Megafreak Joker (Heath Ledger). Er ist es, der sich ums Geschäft, aber auch um die Moral foutiert, und mit etwas Dynamit die Welt ins Wanken bringt. Er bricht die noch in jeder «Arena» des Schweizer Fernsehens beklagten «verkrusteten Strukturen» auf, legt so die Verhältnisse offen und stürzt die Bewohner Gothams und ihren schwarzen Ritter in eine existenzielle Identitätskrise. Natürlich geht Nolan nicht bis ans bittere Ende. Aber fast. Und das ist die neue Qualität bei dieser Art von Superheldenfilm, der für einmal die wie immer grossspurige Werbeankündigung - «Willkommen in einer Welt ohne Regeln» - zu 100 Prozent einlöst.

17.04.2012

5

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Kommentare

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Larsclash

vor 4 Jahren

Einfach grossartig. Heath Ledger spielt hier Meisterhaft.


alex icon

vor 5 Jahren

heath ledger at his best.


behar22

vor 7 Jahren

Hier gibts nur eins zu sagen: Joker


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