96 Hours Frankreich, Grossbritannien, USA 2008 – 93min.

Filmkritik

Ein Vater sieht rot

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Ein Mann der großen Worte war Liam Neeson nie, egal ob in «Schindler's List», «Nell» oder «Batman Begins». Der Hüne aus Nordirland scheint auf der Leinwand selten präsenter als in seinem Schweigen. Doch in «Taken - 96 Hours», einem seiner seltenen Abstecher ins Action-Genre, muss er sich nun weniger denn je mit Dialogen aufhalten.

Schon die ersten Bilder des Films charakterisieren Liam Neesons Bryan Mills als einsamen Wolf. Wie er da in seinem eben so kargen wie schäbigen Apartment hockt, ahnt man sofort: hier hat jemand nicht mehr viel zu verlieren. Den Job als Regierungsagent für die besonders dreckigen Fälle hat er längst an den Nagel gehängt, nur hin und wieder hilft er noch seinen Kumpels aus, wenn es darum geht, verwöhnten Popstars Personenschutz zu gewährleisten. Doch eigentlich hat Mills nur noch ein Ziel: den Kontakt zu seiner Tochter Kim (Maggie Grace) wiederherzustellen, die die Ex-Frau (Famke Janssen) mit ins neue Leben in der Luxusvilla genommen hat.

Ausgerechnet als der Vater und die 17-jährige sich wieder ein wenig näher kommen, werden seine schlimmsten Sorgen wahr. Im Paris-Urlaub wird Kim von finsteren Mädchenhändlern entführt. Dem Papa bleibt gerade noch Zeit, über Töchterchens Handy dem Obergangster ein «I am going to find you - and I am going to kill you» entgegen zu raunen, da sitzt er auch schon im Flieger nach Frankreich, um seine Drohung in die Tat umzusetzen. Viel Zeit bleibt ihm nicht, denn nach mehr als vier Tagen gibt es in solchen Fällen kaum noch die Chance, dem Opfer auf die Spur zu kommen.

Ganz in bester Charles Bronson-Manier sieht hier also wieder einmal ein Mann rot, und natürlich kennt der von Wut und Verzweiflung getriebene Vater keine Gnade. Klischee-Ganoven aus Osteuropa, korrupte französische Polizisten und aalglatte High Society-Schurken stellen sich ihm in den Weg, doch eine Chance hat niemand. Und natürlich muss Liam Neeson nicht viele Worte verlieren, schließlich sprechen Fäuste und Pistolen selbst dann noch eine deutliche Sprache, wenn die Situation längst aussichtslos sein sollte.

Luc Besson steckt als Autor und Produzent hinter «Taken - 96 Hours», weswegen man eine Ahnung davon haben kann, wie dieser Film aussieht, wenn man die «Transporter»-Filme oder «Danny the Dog - Unleashed» gesehen hat. Rasanz und enorme Brutalität sind es, um die es hier auf Teufel komm raus geht, selbst wenn Logik und Glaubwürdigkeit dabei immer wieder auf der Strecke bleiben. Das ist zwar nicht im eigentlichen Sinne langweilig, aber in seiner fiesen Selbstjustiz-Verherrlichung und den (zugegeben spärlichen) Dialogen so dämlich, dass selbst ein Ausnahmeschauspieler wie Neeson sich vergeblich bemüht, dem Ganzen ein bisschen Würde zu verleihen.

18.02.2009

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Kommentare

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Barbarum

vor 7 Jahren

Sobald Neeson am Telefon sein "Set of Skills" erwähnt hat und die Hatz beginnt, ist der Film einfach nur der Hammer.

Zuletzt geändert vor 3 Jahren


MrsStraciatella

vor 8 Jahren

Hammerstarker Thriller!
Liam Neeson ist genau der Richtige für diese Rolle!


Spartan90

vor 10 Jahren

Dieser Film hat mich echt positiv überrascht!!
Super Film... einer der Besten in diesem Genre!!!


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