CH.FILM

Pausenlos Schweiz 2008 – 85min.

Pausenlos

Filmkritik

Nimm dir Zeit für die Zeit

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Sie ist abstrakt und hält uns in Bann. Sie rennt pausenlos davon, ist unerbittlich und einmalig: Die Zeit. Der Zürcher Filmer Dieter Gränicher hat sich mit diesem Phänomen auseinander gesetzt. In seiner Dokumentation kommen Zeitfaszinierte und Zeitgestörte, Zeitgenossen und Zeitforscher zu Wort.

Was schiesst einem nicht alles durch den Kopf, wenn man an das Wort Zeit denkt? Spruchweisheiten wie "Kommt Zeit, kommt Rat" oder natürlich "Zeit ist Geld". Mit der Zeit haben sich Heerscharen von Wissenschaftlern und Denkern damit auseinander gesetzt; mit Zeit als physikalische Grösse, als Wahrnehmung, als Philosophie oder als biologisches Phänomen (innere Uhr). Abhandlungen, Romane, Essays, Erzählungen über verlorene Zeit, Zeitreisen oder imaginäre Zeiten füllen die Regale. Zeit fasziniert, weil wir ihr ausgeliefert sind, weil wir sie nicht fassen können, weil sie fliessend ist - von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft.

In dieses schillernde spannende Thema ist der Zürcher Filmer Dieter Gränicher ("Der Duft des Geldes", "Ferien im Duett") eingetaucht. Er versucht verschiedene Zeit-Facetten, Erwartungen, Erscheinungen, Empfindungen einzufangen. Forstwart Alban Gmür meint ganz cool: "Zeit ist für den Wald egal. Was scheren einen Baum schon Jahrzehnte oder ein Jahrhundert!" Nicht so beim ehemaligen Skirennfahrer Didier Plaschy (Slalom), der einst um Hunderstelsekunden kämpfte. Die Zeit mag manchmal still zu stehen für Schwester Sabine, die in der Stille innere Ruhe findet. Die technische Sachbearbeiterin Marta Leman indes kämpft gegen die Zeit, sprich Schlaflosigkeit und sucht ihr Heil im Schlaflabor. Ein Timeout tätige der Informatikerin Gabriela Bohler gut, die spürt, wie sie langsam ausgepowert wird, wie sie langsam ausläuft. Mit der Gelassenheit des Forschers und des Philosophen führt Karlheinz A. Geissler durch die etwas behäbige Zeitreise.

Gleichwohl wollen sich die verschiedenen Perspektiven, Erfahrungen und Ansichten nicht recht zusammenfügen. Manches verliert sich quasi im Zeitstrom, bleibt Randerscheinung, wie die etwas leblos wirkenden Frauen aus dem Geschäftsleben. Manches, vor allem manche philosophischen Einschätzungen, bleiben hängen und bereichern. Bilder an Bilder reihen sich bisweilen etwas ungereimt aneinander. Das Thema ist so reich, vielseitig und vielschichtig. Doch daraus hat Gränicher etwas wenig gemacht. Es sei ein "Work in Progress", meint der Filmautor. Er hat sich viel Zeit gelassen für die Zeit, doch die lief ihm irgendwie davon. Es scheint, als habe er sich bei dem Unternehmen etwas verloren. Das Plädoyer, dass wir alle zeitbesessen seien, dass wir uns alle Zeit und eine Pause nehmen sollten, ist doch etwas mager als filmisches Fazit über die Zeit.

05.03.2009

3

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