Hancock USA 2008 – 95min.

Filmkritik

Superheld mit Imageproblem

Bruno Zweifel
Filmkritik: Bruno Zweifel

Will Smith säuft, flucht und macht nebenbei die Gangster platt. Das ist erst ganz unterhaltsam, später reichlich dämlich. Denn "Hancock" ist eigentlich zwei Filme in einem. Das Problem: Einer davon ist nicht besonders gut.

Immerhin: So hat noch kein Superhelden-Film angefangen. Mit einem dreckigen Blues-Riff nämlich. Als ob uns Regisseur Peter Berg sagen möchte, dass hier kein geleckter 0815-Supermann seinen Auftritt hat, sondern ein Typ mit Ecken, Kanten und schlechtem Atem. Entsprechend unpoliert die Bilder: Grobkörnig, oft verwackelt und mehr an extremen Close-Ups interessiert denn an grossflächigen Massen-Szenen. Schliesslich geht es um die Charaktere, erst dann um die Action.

"Der riecht wie eine Bar!" ruft irgendwann ein Schurke und hat recht damit. Dieser Hancock (Will Smith) ist ungewaschen, ungehobelt und ganz allgemein kein guter Kerl. Erst sehen wir ihn auf einer Parkbank liegend, wo er seinen Rausch ausschläft. Darauf schwingt er sich ungelenk in die Luft. Wie er da so fliegt - die Schnapsflasche in der linken Hand - sieht das mehr aus wie der Ol' Dirty Bastard denn Clark Kent. Hancock ist noch nicht einmal ein guter Flieger: Er kollidiert mit einem Möwenschwarm, rammt ein Verkehrszeichen und richtet so viel Unheil an, dass seine Heldentaten in der Regel mit Millionenschäden enden. Kein Wunder braucht so einer einen PR-Berater.

Der heisst Ray Embrey (Jason Bateman) und tut bald alles, um aus Hancock einen liebenswerten Typen zu machen. Was ihm auch gelingt. Und hier beginnen die Probleme - für Regisseur Berg und seinen Film. Denn Hancock ist perfekt so, wie wir ihn am Anfang treffen. Alles, was aus dem zynischen Trunkenbold einen konventionellen Helden macht, kann der Figur nur schaden. Berg baut "Hancock" darum in der Mitte völlig um: Aus einer durchaus amüsanten Action-Parodie wird ein Fantasy-Brimborium, in dem coole Sprüche Mangelware sind.

Dabei macht keiner der Beteiligten eine gute Figur: Weder Charlize Theron als nicht-ganz-so-harmlose Vorstadtmutter, noch Will Smith. Der gibt sich zwar weiterhin Mühe, möglichst verstört (wahlweise: dämlich) dreinzublicken, wirkt dabei aber nur noch platt. Und wer immer die Idee hatte, Jason Bateman in der Schlussszene eine Axt in die Hand zu drücken, gehört verprügelt.

28.02.2017

3

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Kommentare

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Urs23

vor 6 Jahren

Ist mal was anderes als die üblichen Superheldenstories.


ellouis

vor 11 Jahren

gute unterhaltung


mmcblue

vor 11 Jahren

Schauspieler W. Smith einer meiner Lieblinge. Hätte er der Film nicht gedreht wäre es ein absoluter Absturz. Der Film ansich ist schon Hollywood like but.. hat mich nicht vom Hocker gerissen, ich weiss nicht was aber die Geschichte an sich war öde und es fehlte einfach was. Auch die Vorgeschichte warum weshalb kam viel zu spät. Fazit: Schau Ihn dir an, erwarte aber nicht zu viel.Mehr anzeigen


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