Warum Männer nicht zuhören - und Frauen schlecht einparken Deutschland 2007 – 103min.

Filmkritik

Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Neandertaler

Andres Hutter
Filmkritik: Andres Hutter

Bei der romantischen Komödie "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken", die auf dem gleichnamigen Ratgeber-Bestseller beruht, ist der Titel Programm: verpackt in eine klassische Beziehungskiste werden gängige Geschlechter-Klischees aneinandergereiht und erklärt.

Schuld an den Missverständnissen zwischen Mann und Frau ist die Tatsache, dass beide - vor allem aber der Mann - nach wie vor weitgehend Neandertaler sind.

Gleich zu Beginn des Films wird der Zuschauer gewarnt: dies sei kein gewöhnlicher Unterhaltungsfilm, erklärt eine Stimme aus dem Off, sondern ein Lehrfilm. Immer wieder kommentiert deshalb diese Erzählstimme (übrigens diejenige von Regisseur Leander Haußmann) das Verhalten der Männer und Frauen im Film. Für einen Lehrfilm genügt es jedoch anscheinend, mit sehr oberflächlichen Erklärungen die gezeigten Klischees zu zementieren. Dazu dient durchgehend ein einziges Argumentationsmuster: Der Mensch verhält sich auch heute noch kaum anders als damals im Neandertal. So kann der Mann deshalb nicht zuhören, weil er, von seinen Genen zum Jäger bestimmt, den Tunnelblick hat und sich so nur auf eine einzige Sache konzentrieren kann. Die Frau kann indes nicht einparken, weil sie nie Speere werfen musste und deshalb kein räumliches Vorstellungsvermögen hat.

Diese biologistische Argumentationsweise mag man mehr oder weniger einleuchtend finden, besonders neu oder spannend ist sie jedenfalls nicht. Der Film haut weitgehend in die gleiche Kerbe wie die üblichen Geschlechterwitze von Stand-Up-Komödianten und Fernseh-Sketch-Shows. Um dabei nicht der Frauenfeindlichkeit bezichtig zu werden, hat es das durchgehend männliche Team um Haußmann vorwiegend auf die Männer abgesehen. Denn der Mann ist, im Gegensatz zur Frau, kein Kultur- sondern reines Naturwesen: ein wehrloses Opfer seiner Triebe, das sich ausschliesslich für Fussball, Bier, Autos und das Dekolleté der Sekretärin interessiert. Während also bei den Männern kein Klischee ausgelassen wird, rückt der Film die Frauen in ein etwas besseres Licht.

Leider ist auch die Geschichte, die die Ausgangslage für die einzelnen Erklärungen bietet, nicht gerade besonders originell. Das Hin und Her zwischen Mann (Benno Fürmann), Frau (Jessica Schwarz) und Nebenbuhler (Uwe Ochsenknecht mit einem furchtbaren schweizer Akzent) ist bei aller ironischen Durchbrechung reichlich konventionell. Immerhin ist die Inszenierung sehr gelungen und vor allem die immer wieder eingeschobenen Neandertaler-Szenen bringen etwas Abwechslung. Die Filmmusik stammt übrigens von James Last und ist in vielerlei Hinsicht äusserst passend: Wie der Film ist auch Lasts Musik etwas angestaubte, aber altbewährte Unterhaltung. Weh tut sie bestimmt nicht, aber anhören muss man sie sich auch nicht unbedingt.

03.06.2009

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Kommentare

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idefix99

vor 12 Jahren

Der Film ist so unglaublich doof, ich ärgere mich heute noch, dass ich ihn zu Ende gesehen habe. Das Motto "es kann ja nur noch besser werden" stimmt leider nicht immer...


hene6

vor 13 Jahren

OK, ich gehe nicht mehr wöchentlich ins Kino, vielleicht 1 x im Monat, ich bin auch schon fast 50... aber ist das Kino-Publikum tatsächlich schon so total abgehoben? Ich persönlich hab mich köstlich amusiert. Die 100 Minuten vergingen wie ne halbe Stunde. Ich habe erwachsene Kinder und lebe in einer zweiten Beziehung und ich muss sagen, viel Wahres wird auf amüsante Weise angesprochen, worüber unsere Väter und Mütter (aber das sind ja Ober-Gruffties) niemals zu sprechen gewagt hätten. Auch ich kam mir, als ich die bisherigen Voten zum Film gelesen hatte, eher als Opi vor.
Nein, ich finde es gut, dass heute offener mit solchen Themen umgegangen wird, aber ich warne davor, dass das Thema Liebe dem Egoismus immer mehr zum Opfer fällt. Das meine ich mit meinem Titel, nicht zu jung zum Bewerten, sondern zu jung um diesen Film im Grunde zu verstehen. Ich würde ihn (zahlend) auch ein zweites Mal ansehen...Mehr anzeigen


chrigi83

vor 13 Jahren

Ich war den Film mit meinem Freund in Bern anschauen. Es war ein ganz lustiger Film mit sehr viel Humor. Wir konnten ganz viel lachen: -) Obwohl ich zugeben muss, dass die Männer viel mehr dran kommen als die Frauen...


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