Hundeleben Deutschland 2007 – 96min.

Filmkritik

Der beste Freund des Häftlings

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Es würde natürlich nahe liegen, einen Text über das Spielfilm-Regiedebüt von Jan Hinrik Drevs mit einem Kalauer à la «auf den Hund gekommen» einzuleiten. Der Versuchung, den für seine Handlung besten Freund des Menschen in ein Wortspiel zu verwursten, ist der Filmemacher schließlich in seinem Filmtitel selbst erlegen. Aber nicht nur deswegen kann man als Rezensent getrost darauf verzichten - denn tatsächlich entpuppt sich «Underdogs» als ziemlich gelungen.

Ins Spiel kommen die Hunde bei ihm im Rahmen eines Pilotprojekts in einem norddeutschen Gefängnis. Sechs Häftlinge werden ausgewählt und in einen abgelegenen Trakt verlegt, wo jedem von ihnen ein Welpe an die Seite gestellt wird. Das ist nicht nur als Maßnahme gegen die Einsamkeit der Männer gedacht, sondern dient auch der Resozialisierung: die putzigen Labradore sollen, unter Anleitung eines Trainers (Hark Bohm) und wohlwollend beobachtet von Gefängnisdirektorin Gloria (Clelia Sarto), zu Blindenhunden ausgebildet werden. Die Männer sind begeistert - außer Mosk (Thomas Sarbacher), der sich lediglich für die bevorstehende Gefängnismeisterschaft im Gewichtheben interessiert.

«Underdogs», dessen Thema Jan Hinrik Drevs zunächst für eine Fernsehreportage recherchierte, versteht sich in erster Linie als Milieu- und Charakterstudie, weswegen Handlung hier eher zweitrangig ist und größere Überraschungen ausbleiben. Natürlich verändert die Verantwortung für die Hunde die Knastbrüder erheblich, und auch Mosk, der anfangs noch seinen pelzigen Schützling Nacht für Nacht von der Pritsche und durch die ganze Zelle schmeißt, schließt das Tier irgendwann derart ins Herz, dass er es am Ende der Ausbildung gar nicht mehr gehen lassen möchte.

Erstaunlicherweise gelingt es dem Film meist trotzdem, einen Bogen um allzu nahe liegende Klischees oder peinlichen Sozialkitsch zu machen. Das verdankt sich zum einen den Bildern von Kameramann Peter Przybylski, die zwar spröde, aber atmosphärisch und erfreulich weit weg von der verwaschenen TV-Optik anderer deutscher Debütfilme sind. Zum anderen profitiert Drevs von seinen glaubwürdig gezeichneten Figuren und ihren souveränen, mitunter geradezu lakonischen Darstellern, allen voran dem charismatischen, vom Theater kommenden Thomas Sarbacher und der überwiegend im Fernsehen geschulten Clelia Sarto als pragmatischer Anstaltsleiterin. Die unaufgeregte Spannung zwischen den beiden ist jederzeit greifbar, ohne dass «Underdogs» sich dadurch zu einem falschen Happy-End hinreißen ließe. Ganz so, wie es sich für einen kleinen, aber feinen Film gehört, der genau weiß, wie er nicht auf den Hund kommt.

23.07.2008

3

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