Das Bourne Ultimatum Deutschland, USA 2007 – 115min.

Filmkritik

Bourne To Kill

Benedikt Eppenberger
Filmkritik: Benedikt Eppenberger

Jason Bourne, der CIA-Killer mit Gedächtnisschwund, versucht im dritten Teil der Agenten-Saga, das Geheimnis um seine Identität endgültig zu lüften. Obwohl die CIA ihn unter Einsatz eines enormen Hightech-Arsenals zum Schweigen bringen will, ist Bourne seinen Verfolgern fast immer eine Nasenlänge voraus. Regisseur Paul Greengrass und sein Star Matt Damon beschliessen mit dem grossartigen «The Bourne Ultimatum» eine Reihe, die für den Agentenfilm stilbildend wurde.

Für den Schreiberling ist «The Bourne Ultimatum» ein Albtraum: kaum eine Story zum Nacherzählen, und Dialoge so knapp wie ein Stringtanga. Dazu aus der Hand gefilmte Actionsequenzen, die so schnell, dicht und brillant geschnitten sind, dass die durchaus vorhandenen Botschaften und Feinheiten in den «Ahs» und «Ohs» des elektrisierten Publikums glatt untergehen. «The Bourne Ultimatum» ist derart berauschendes Bewegungs- und Überwältigungskino, dessen Erlebnis man sich unvermittelt aussetzen sollte. Professionelle Beobachter stören da nur. Was also macht der Kritiker, bevor er die Sache doch noch zu zerreden beginnt? Er startet eine kleine Umfrage, und die bringt wenig Überraschendes zu Tage: «Bourne»-Hauptdarsteller Matt Damon gehört hierzulande, noch vor Tom Cruise, Ben Affleck, Jim Carrey, Leonardo DiCaprio und Adam Sandler, zu den bestgehassten US-Schauspielern seiner Generation. Warum, bleibt ungewiss. Weder predigt er für eine obskure Sekte noch glänzt er unaufhörlich mit speckigen Auftritten in der Glamourwelt. Politisch gehört er zu den Guten (Anti-Bush-Fraktion!). Auch das Grimassenschneiden ist nicht sein Ding, und wenn Komik angesagt ist, dann tut er das eher gepflegt als auf Blödel-Niveau.

Ablehnung provozieren wohl allein sein bubihaftes Aussehen sowie seine Null-Mimik, die den Eindruck erweckt, als hätte Damon im «Actors Studio» hauptsächlich Van Damme studiert. Dabei schafft er es, seine unspektakulären, mittelmässig bürokratisch wirkenden Gesichtszüge, die wieder und wieder ins Maskenhafte kippen, immer besser einzusetzen. Zuletzt brillant als früh vergreister CIA-Mann in De Niros «The Good Shepherd» sowie als ekelhafter Karrierist in Scorseses «The Departed». Keiner verkörperte die Banalität des Bösen zuletzt überzeugender als Matt Damon. Diese bedrohliche Unauffälligkeit prägte auch jene Figur, deren Schatten seit ihrem Ersteinsatz an Matt Damon kleben geblieben ist: Jason Bourne. Er war zweifellos die Idealbesetzung für die jetzt zur Trilogie angewachsene Bourne-Saga («The Bourne Identity» (2002), «The Bourne Supremacy» (2004), «The Bourne Ultimatum» (2007) ), die mittlerweile zum Massstab für intelligentes Spannungskino avanciert ist.

Seit Jason Bourne ohne Identität und allein gelassen im Mittelmeer aufwachte, sind mehrere Jahre vergangen. Damals fügte er Fetzen und Fragmente zusammen, um Hinweise auf seine frühere Existenz zu erhalten. Das zusammengesetzte Puzzle enthüllte schliesslich, dass er der Prototyp einer auf Superman-Level gedrillten, gnadenlosen CIA-Agentenklasse war, den seine Schöpfer als Zeugen ihres illegalen Tuns nun mit allen Mitteln wieder aus der Welt zu schaffen versuchten. In weiser Voraussicht tilgte der Geheimdienst in einer frühen Phase der Ausbildung alle Erinnerungen ans vergangene Leben, um so beim Killer eventuelle sentimentale Regungen (Liebe, Mitgefühl, Gnade) vorzubeugen. In Teil zwei brachte Bourne einen Teil seiner Ziehväter mit der ihm eigenen Effizienz zur Strecke, ohne allerdings etwas über jenen Mann zu erfahren, der er vor Jason Bourne gewesen war. Bekannt war ihm allein das ominöse CIA-Programm, in dessen Rahmen Killer ausgebildet wurden, die im Feindgebiet Gegner der USA zu liquidieren hatten.

In «The Bourne Ultimatum» ist die neue CIA-Leitung dabei, das alte «Bourne»-Programm neu zu lancieren und eine frische Killerelite heranzuzüchten. Als der Journalist Simon Ross (Paddy Considine) von einem CIA-Mann Wind davon kriegt und die Story zu publizieren beginnt, leuchten nicht nur beim CIA die Warnlampen. Auch der untergetauchte Bourne meldet sich zurück. Am Namen jenes Maulwurfes, der so freimütig aus dem Nähkästchen plaudert, sind sowohl die CIA-Chefs Ezra Kramer (Scott Glenn) und Noah Vosen (David Strathairn) wie auch der Agent auf Identitätssuche brennend interessiert. Als Bourne realisiert, welch enge personelle Verbindungen zwischen altem und neuem Programm bestehen, macht er sich auf, auf Heimatboden jene Verantwortlichen zu stellen, die ihn einst zur gefühllosen Killermaschine formten. Zuvor allerdings muss er sich in Moskau, Berlin, Paris, London, Tangier jede Menge Häscher vom Hals schaffen. Dabei trifft er auf die alten Bekannten Pamela Landy (Joan Allen) und Nicky Parsons (Julia Stiles), die Bourne bei seiner spektakulären Flucht - die ihn paradoxerweise seiner wahren Identität immer näherbringt - überraschend hilfreich zur Seite stehen.

13.09.2007

4

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Kommentare

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movie world filip

vor 10 Jahren

paul greengrass übernimmt von doug liman und macht das sehr gut... wieder stilvolle spannung wie vorher


oktopus

vor 13 Jahren

Obwohl ich die beiden Vorgänger nicht gesehen habe, fand ich den Einstieg in die Geschichte gut. Die Schauspieler haben zu ihren Rollen gepasst. Ein guter Film.


nill07

vor 13 Jahren

Die Kampfszenen sind unglaublich tough. Selten so was gesehen, ev. beim neuen James Bond. Schneller Schnitt, so dass einem schwindlig wird, sehr dicht, dramaturgisch nicht besser zu machen.


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