La Zona Mexiko 2007 – 95min.

La Zona

Filmkritik

Gelegenheit bringt Hiebe

Filmkritik: Eduard Ulrich

Aus Mexiko kommt eine Fabel, die sich des Problems der Gated Communities annimmt, die vor allem im angelsächsichen Raum im Vormarsch sind, aber prinzipiell jeder Gesellschaft blühen, deren soziales Gefälle ein unsoziales Ausmaß annimmt.

Gated Communities sind Wohngegenden, die wie eine mittelalterliche Burg mit Zäunen und Sicherheitseinrichtungen von der Umgebung getrennt sind. Herein kommt nur, wer dort wohnt oder eine persönliche Einladung vorweisen kann, kontrolliert wird an einer Sicherheitsschleuse und sogar die Polizei hat Mühe, sich Zutritt zu verschaffen.

Keine Mühe beim Zutritt haben dagegen drei Jugendliche, die im angrenzenden Slum ihre Zeit und bald auch Anderes totschlagen, als ein Unwetter zuerst einen Strommast knickt und dann das Sicherheitssystem knackt. Selten war der Eintritt ins vermeintliche Paradies so verlockend wie in diesem Moment der stromlosen Dunkelheit und einladenden Mastbrücke. Klappt das Entern der bisher als uneinnehmbar wahrgenommenen Festung auf Anhieb, so erweist sich diese terra incognita als tückische Falle, nachdem Strom, Personal und militante Einwohner aktiv werden.

Umgekehrt entwickelt sich in der Hysterie der Menschenjagd auf die Eindringlinge eine besinnungslose Gruppendynamik, die unter anderem an den "Herrn der Fliegen" erinnert. Diese Mischung aus Amateur-Dieben, Amateur-Polizisten und Amateur-Juristen, die dabei sind, sich an einer Sache die Finger zu verbrennen, die ihre Fähigkeiten weit übersteigt, verheisst nichts Gutes, denn bald verdächtigen und überwachen sich die Bewohner gegenseitig und die Zone wird zum Gefängnis. Als sich noch die notorisch korrupte Polizei einmischt, steigt der Einsatz, und wir werden an weitere Filme und Geschichten erinnert.

Das ist vielleicht eines der Probleme dieses mit viel Handwackel- und Überwachungsstarrkamera gefilmten Werks des mexikanischen Regisseurs Rodrigo Plá; das andere ist wahrscheinlich die schematische Figurenzeichnung, die einen Kontrast zur bereits in moralischer Absicht schematisch konstruierten Handlung hätte setzen müssen, was aber bei derart viel Personal schlicht ein Ding der Unmöglichkeit ist. Man sieht glatte Bilder, die ein an Hollywood geschultes Auge verraten, und einen stringent vorrangetreibenen Ablauf, der ebenfalls Hollywood-Standards genügt - gesprochen wird aber Spanisch. Vielleicht ist der spanische Hollywood-Film genauso wie das Leben unter Sicherheitsüberwachung die Zukunft, denn an Filmfestivals in Venedig, Toronto und Fribourg wurden Preise dafür vergeben.

02.10.2008

3

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Der Film beschreibt in dramatischer Art und Weise ein inzwischen immer weiter verbreitetes Phänomen: die Reichen siedeln in gut bewachten Arealen, geschützt vom eigenen Wachdienst. Die Verfolgung von jugendlichen Einbrechern, die hier einen Beutezug durchführen, findet auf drei Ebenen statt: die offizielle (Polizei), die eigene Bürgerwehr (Wachdienst) und eine Gruppe abenteuerlustiger Teenager. Die ersten beiden werfen sich gegenseitig Korruption vor - womit sie offenbar recht haben und sind meistens damit beschäftigt so viel wie möglich unter den besagten Teppich zu kehren. Die Sicherheit kann nur auf Kosten der Freiheit garantiert werden. Die Mehrheit der Anwohner setzt mit pseudo-demokratischen Mitteln eine Menschenjagd durch. Es herrscht Misstrauen und Angst und es entsteht ein rechtsfreier Raum mit Lynchjustiz, Lieblosigkeit und individueller Katastrophen. Nur Wenige erkennen das Unrecht und die Bedrohung der Freiheit und sind zu einer inneren Wandlung fähig. An der Sache selbst ändert das nichts.
Schockierend realistisch und deshalb sehenswert.

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