Im Tal von Elah USA 2007 – 121min.

Im Tal von Elah

Filmkritik

Tod eines Heimkehrers

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Das politische Kino feierte sein Comeback in Hollywood im vergangenen Herbst, als gleich in mehreren Filmen die Kriege, die die USA in jüngster Zeit in Vorder- und Zentralasien führt, zum Leinwandthema wurden. Das Publikum allerdings zeigte kein sonderliches Interesse an so viel aktuellem Zeitbezug. Sowohl das Folter-Drama "Rendition" als auch die Politikvorlesung "Lions For Lambs" und sogar der Actionreißer "The Kingdom" erwiesen sich als veritable Flops.

Und auch "In the Valley of Elah", der nun mit einiger Verspätung als letzter auch bei uns anläuft, lockte trotz Kritikerlob das Publikum nicht in die Kinos. Das eigentliche Kriegsgeschehen ist dabei noch nicht einmal das Thema des Films, der - von ein paar kleinen Videoschnipseln abgesehen - mit seiner Handlung immer auf amerikanischem Boden bleibt. Tatsächlich ist der junge Soldat Mike Deerfield (Jonathan Tucker) gerade nach 18-monatigem Einsatz aus dem Irakkrieg in die Staaten zurückgekehrt, als er plötzlich als vermisst gemeldet wird. Sein Vater Hank (Tommy Lee Jones), der sein Leben einst selbst der Armee verschrieben hatte, macht sich auf zum Stützpunkt, um die Suche nach seinem Sohn aufzunehmen.

Bald allerdings wird Mikes zerstückelte Leiche entdeckt, und je mehr Hank in der nach außen hin abgeschotteten Welt des Militärs nach der Wahrheit sucht, desto häufiger stößt er auf eine Mauer des Schweigens. Mit Hilfe der Polizistin Emily Sanders (Charlize Theron) versucht er trotzdem, dem Schicksal seines Sohnes auf die Spur zu kommen - und gerät dabei in ein engmaschiges Netz aus Lügen und Intrigen, Gewalt und Traumata.

Halb als Militärdrama, halb als Polizeithriller erzählt Regisseur und Drehbuchautor Paul Haggis ("Crash") seine packende Geschichte und verknüpft dabei den Mord in der Ödnis New Mexicos mit dem Horror des Irakkriegs (sichtbar gemacht durch Aufnahmen von Mikes Handy). Überzeugender als andere (Anti-)Kriegsfilme der letzten Monate und ganz in der Tradition von Vietnamklassikern wie "Coming Home" dokumentiert, "In the Valley of Elah" die Grausamkeit des Krieges und die Schwachstellen militärischer Strukturen. Die Opfer findet er zu Hause, in zerbrochenen Soldatenseelen und zerstörten Familien.

Anders als in seinem plakativen Oscar-Gewinner "Crash" lässt Haggis hier inszenatorische Sensibilität und mitunter fast meditative Zurückhaltung walten, die in den Bildern des herausragenden Kameramanns Roger Deakins ("No Country For Old Men", "The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford") ihren Resonanzkörper findet. Ähnlich überzeugend sind die Schauspieler: eine bodenständige Charlize Theron, Nebendarsteller wie Susan Sarandon (die wenige, aber starke Szenen als trauernde Mutter hat) und vor allem Tommy Lee Jones. Sein nuanciertes Spiel zwischen Wut, Empörung und Trauer brachte "In the Valley of Elah" eine Oscar-Nominierung ein. Es war die einzige überhaupt für einen Film über den Irakkrieg.

03.04.2008

4

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Kommentare

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Urs23

vor 6 Jahren

Spannend, wie ein Vater versucht, den Tod seines Sohnes aufzuklären und dabei Dinge über ihn entdeckt, die er lieber nicht hätte wissen wollen.


pfuteri

vor 8 Jahren

Der Film greift ein Thema auf, dass von kriegführenden Ländern nur allzu gern unter den Teppich gekehrt wird.
Die Verrohung und Entmenschlichung der Beteiligten.
Gut aufgebauter Film, tolle Leistung von Tommy Lee Jones.


Gelöschter Nutzer

vor 9 Jahren

Vielfach überschätzter Film über die seelischen Folgen des Irak-Krieges. Man ist redlich bemüht, die abgestumpfte Gefühlswelt der Gis nach ihren Einsätzen zu schildern. Die entscheidenden Verhörszenen haben aber leider etwas Dokumentarisches an sich. Und da man weiß, dass Tommy Lee Jones ja immer seinen Fall aufklärt, kommt auch keine Spannung auf. Susan Sarandon bleibt reduziert als marginale Heulsuse und Charlize Theron ist glatt fehlbesetzt. Sie hetzt mit raumgreifenden Schritten durchs Revier und bleibt blass - nicht nur im Gesicht. Man nimmt ihr einfach diese nervigen Recherchen nicht ab. Wenn dann etwas übertrieben und unerwartet kurz auf die emotionale Karte gesetzt wird, beeindruckt das wiederum wenig. Zwei Szenen sind nicht schlecht gelungen und heben sich wohltuend vom Rest ab: die titelgebende Geschichte, die T. L. J. freundlich aber in seiner ruppigen Art dem kleinen Jungen als Betthupferl erzählt und der abschließende Gag mit der US Nationalflagge. Da hat Paul Haggis schon Besseres abgeliefert.Mehr anzeigen


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