Spuren eines Lebens Deutschland, USA 2007 – 130min.

Filmkritik

Stars ohne Story

Beatrice Minger
Filmkritik: Beatrice Minger

Lajos Koltais Generationenfilm über starke Frauen ist mit grossen Namen besetzt, und der Pulitzerpreisträger und Autor von "The Hours" liefert das Drehbuch. Das Line-up kann aber nicht über eine an manchen Stellen dünne Story hinwegtäuschen.

Ann Lord (Vanessa Redgrave) liegt in ihrem Sterbebett und lässt ihr Leben noch einmal Revue passieren. Während ihre Töchter (Natasha Richardson und Toni Collette) über ihrem Bett wachen, dämmert Ann immer wieder zwischen Realität und Fiebertraum und erinnert sich an ihre einzige wahre Liebe Harris Arden (Patrick Wilson). Doch zu viele Verstrickungen und unglückliche Unfälle waren darin verwickelt, als dass Ann und Harris ein Paar werden konnten. Und auch Anns anderer grosser Lebenstraum, als Sängerin den Durchbruch zu schaffen, blieb unerfüllt. Doch bleibt keine Zeit verpassten Chancen nachzutrauern. Ann lernt allmählich loszulassen und mit ihrem Leben Frieden zu schliessen. Die Kraft der Versöhnung schwappt auch auf ihre Töchter über, die ihrerseits daran sind, wichtige Entscheidungen zu fällen.

Es ist schon erstaunlich, wie viel geballte Schauspielerinnenkraft der Regisseur Lajos Koltai für seinen Film gewinnen konnte. Oscargewinnerin Vanessa Redgrave beeindruckt in ihrer Rolle der sterbenden Frau im Konflikt zwischen Vergangenheit und Gegenwart und steht übrigens das erste Mal mit ihrer Tochter Natasha Richardson gemeinsam vor der Kamera. Glenn Close und die umtriebige Meryl Streep sind wie immer grosses Sehvergnügen und Mamie Gummer könnte Streeps Tochter sein, so ähnlich sehen sich die beiden. Auch Toni Collette und Claire Danes, die bereits in "The Hours" mitspielten, überzeugen mit ihrer Performance.

Doch kann man sich offenbar nicht ausschliesslich auf grosse Namen verlassen, wenn es an der Story hapert. Für die Romanvorlage von "The Hours" hat der Autor Michael Cunningham den Pulitzerpreis gewonnen und Nicole Kidman eine Oscarrolle beschert. Nun legt er in "Evening" erneut die Feder an eine Geschichte über starke Frauen und adaptiert Susan Minots gleichnamige Bestseller-Romanvorlage "Evening". Doch kommt die Story nicht an die erzählerische Dichte von "The Hours" heran und erinnert eher an Groschenromane als an grosse Literatur. Und wenn die junge Ann (Claire Danes) an der Hochzeit ihrer besten Freundin in Newport mit wehendem Haar aufs Meer schaut und am Ufer das erste Mal auf Harris trifft, wartet man förmlich auf die Rosamunde-Pilcher-Flötenklänge, welche die Stimmung untermalen. Solche Szenen wirken platt und der etwas zu freudige Einsatz von Flashbacks raubt dem Film zeitweise all seinen Charme. Wer jedoch ein Herz hat für rührselige Geschichten soll sich den Gefallen tun und über das schwächelnde Drehbuch hinwegsehen. Schliesslich ist bald Weihnachten.

04.12.2007

3

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Kommentare

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julianne

vor 6 Jahren

Atemberaubend kann man einen Film schöner machen und was für ein soundrack!!!!!! Sensationelle Darsteller!!!!!!


jeansgirl

vor 12 Jahren

Ich jedenfalls nicht - und finde es schade, wenn die Kritikerin solche Parallelen sucht - und bin ich froh - auch nicht findet. Ich fand den Film wunder-, wunderschön und exzellent gespielt. Punkt.


güx

vor 12 Jahren

Das Darsteller-Ensemble ist von guter bis sehr guter Qualität; das Thema wäre eigentlich eine interessante und spannende Vorlage für einen tollen Film.
Dass mit so hochkarätigen Stars wie V. Redgrave und M. Streep, T. Collette und C. Danes geworben wird, ist einleuchtend, schraubt aber natürlich die Erwartungen des Kinogängers in die Höhe. Leider harmonieren die Darsteller nicht wirklich miteinander.
Meine Kollegin wollte "Evening" unbedingt sehen, er stand nie auf meiner persönlichen Wunschliste. Ich weiss allerdings bin heute nicht, wieso er Evening heisst - finde ich ein bisschen einfallslos, aber sei's drum.
Der Film zieht fast Fäden, so langweilig und zäh ist er. Obwohl das Thema grosses Potenzial birgt, hat mich die Handlung in keiner Sekunde berührt. Lag wohl auch daran, dass man V. Redgrave gefühlte 2 Stunden beim Sterben zuschauen "durfte". Die Frau hat eine so enorme Präsenz und ein solches Können - und da nimmt sie eine Rolle an, die sie liegend "spielen" kann. Die Frage, ob man dafür überhaupt schauspielerisches Talent benötigt, sei mal dahingestellt.
Der 10-Minuten-Auftritt von M. Streep reisst das Ganze auch nicht mehr raus (verständlicherweise; sie hat einfach zu wenig Spielzeit). Es tut mir richtig weh, festzustellen, dass eine meiner absoluten Lieblingsschauspielerinnen leider Gottes auch älter wird und deshalb keine wirklich guten Rollen mehr bekommt.
Fazit: Lasst Euch vom "Who's who" der Darsteller nicht blenden. Der Film ist nicht zu empfehlen!Mehr anzeigen


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