Todeszug nach Yuma USA 2007 – 123min.

Filmkritik

Duell der Machos

Benedikt Eppenberger
Filmkritik: Benedikt Eppenberger

Wem «The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford» nicht nur titelmässig viel zu langatmig war, kann jetzt geholfen werden. «3:10 to Yuma» hat nicht nur den fetzigeren Titel, James Mangolds («Walk the Line») Remake des gleichnamigen Western-Klassikers ist auch actiongeladener und überzeugt mit handfestem Drama. Überdies spielen Russell Crowe und Christian Bale die Hauptrollen. Genügend Gründe also sich mal wieder einen Western anzuschauen.

Bevor wir recht wissen, wie uns geschieht, überfällt Ben Wade (Russell Crowe) bereits seine erste Postkutsche. Nicht einfach eine Postkutsche, DIE Postkutsche beladen mit massig Dollars und Gold wird von seiner grossen Bande ins Visier genommen. Es gibt massive Gegenwehr, die brutal gebrochen wird. Als besonders grausam erweist sich dabei Wades rechte Hand Charlie Prince (Ben Foster). Zeuge des ganzen Spektakels werden der Farmer Dan Evans (Christian Bale), der sich zusammen mit seinen beiden Söhnen William (Logan Lerman) und Mark auf der Suche nach entlaufenen Rindern befindet.

Ein schicksalhaftes Zusammentreffen, denn später kreuzen sich Evan und Wades Wege wieder; bloss diesmal steht der Bandit am längeren Ende der Kanone. Wade wird gefangengenommen. Doch anstatt ihn sofort aufzuknüpfen, beschliesst man seine Überführung zum Bahnhof von Contention, von wo aus ihn der Gefängniszug um 3:10 Uhr nach Yuma (an den Galgen) bringen soll. Zwei Tage dauert die Reise nach Contention, und es warten viele tödlichen Gefahren auf die Gruppe, die den gefangenen Wade zu seiner Verschickung nach Yuma begleitet. Aber eine stattliche Belohnung lockt, so dass Evans nicht lange fackelt und sich freiwillig meldet. Der Bürgerkriegsveteran mit dem steifen Bein steht nach einer weiteren Dürreperiode beim lokalen Viehbaron tief in der Kreide, so dass das Kopfgeld ihn und seine Familie mit einem Schlag von allen Problemen befreien würde.

Mit von der Partie sind noch weitere Halsabschneider, unter ihnen auch der Kopfgeldjäger Byron McElroy (Peter Fonda). Später schliesst sich der Gruppe noch Evans halbwüchsiger Sohn William an. Dieser verachtet den verkrüppelten Vater und bewundert insgeheim den welt- und wortgewandten Dandy-Desperado Ben Wade, der sich einen Spass daraus macht, seine Bewacher gegeneinander auszuspielen.

Während es im anderen grossen Neo-Western der Saison «The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford» von schwindsüchtigen Geistergestalten und Medienleichen nur so wimmelte, punktet «3:10 to Yuma» mit einem Duell zwischen uramerikanischen Macho-Typen. Christian Bale spielt den vom Leben gezeichneten Farmerpionier Evans der dem Ruf nach Westen folgte, scheiterte und jetzt glücklos seine Familie durchzubringen versucht. Die Evans führen ein karges Leben und die Bewunderung, die Sohn William und zeitweise auch die Ehefrau Ben Wade entgegenbringen, ist nur zu verständlich. Dieser von Russell Crowe mit tollem Understatement gespielte Libertin ist alles, was der Vater nicht ist: frei, souverän, eloquent, sexy. Evans ist in den Augen seines Sohnes aber auch deshalb ein Versager, weil er, im Gegensatz zu Wade, nicht bereit ist das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen.

So entrollt sich vor den Augen des jungen Evans ein ideeller Zweikampf, der mit Fortlauf der Reise aber immer mehr von seiner anfänglichen Eindeutigkeit verliert. Die Gegner kommen sich näher. Schliesslich gewinnt Respekt die Oberhand und man erkennt die Gemeinsamkeiten. In einem explosiven Finale erhalten sie schliesslich die Chance ihren wirklichen Feinden - den Viehbaronen, den Eisenbahnleuten, den Land- und freiheitverschlingenden Kapitalisten - die Stirn zu bieten. Die Unterscheidung zwischen Gut und Böse spielen in diesem Augenblick keine Rolle mehr. Entscheidend ist vielmehr, wie sich zwei echte Kerle auf ihren verlorenen Posten halten.

01.02.2008

4

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Kommentare

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cinecine1

vor 6 Jahren

guter film, keine begeisterung!


Georgkeller

vor 8 Jahren

Schöner Film, Der Schluss ist unrealistisch, eigentlich Schwachsinn


movie world filip

vor 8 Jahren

starke star parade


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