Zum Abschied Mozart 2006 – 80min.

Zum Abschied Mozart

Filmkritik

Chorknaben-Report

Filmkritik: Pascal Blum

Das bringt nur das Mozart-Jahr: Der Schweizer Dokumentarfilmer Christian Labhart («Die Brücke von Mitrovica») begleitet den Oberstufenchor der Rudolf Steiner-Schule Zürcher Oberland bei den Proben zu Mozarts «Requiem». Was ein Generationenporträt sein möchte, gerät zum spirituell verquasten Schulkinderreport.

Ein kollektiver Kraftakt «wider den Zeitgeist» soll es sein: Während den sechswöchigen Chorproben finden die auf Individualismus getrimmten Schülerseelen im Singen von Mozarts unvollendeter Totenmesse zurück zum verbindenden Gemeinschaftssinn. Von allen ist Disziplin und Einsatzfreude gefordert, wie Chorleiter Thomas Gmelin bereits zu Filmbeginn fordert. Am Schluss singt die «Generation iPod» vielstimmig Mozart: Ein nasser Traum aus dem Bilderbuch der Bildungsbürger.

Labhart zeigt die Probenatmosphäre, die Schüler in den Pausen, den tobenden Leiter. Amüsant ist das zuweilen, häufig auch einnehmend und in stimmigen Bildern gehalten. Allerdings wissen wir ja nicht erst seit «Sister Act» um die verbindende Identitätskraft des Chorsingens, wo eine vormals degenerierte Band über den Gesang zu neuem Leben findet. Was will der Film also noch?

Die Jugend von heute mitzuporträtieren. Genau dort fällt der Film aber ab: Was Rebecca, Stefan und Wanja abseits der Proben erzählen ist nämlich bestenfalls Triviales. Während die eine die «Revolution von unten» starten möchte, redet der andere in Kalendersprüchen und wird nur noch von der dritten übertroffen, die nicht werden will wie ihre Eltern. Belanglos sind allen voran die Stellen, wo über Religion und spirituelle Energien geredet wird: Wer bezüglich Jugend mal wieder gähnend abwinken will, wird hier gut bedient.

«Behütet» ist ein Wort, das einige Male genannt wird. Und genau darum geht es auch: Wir sehen hier ja nicht Nicolas Sarkozy, wie er in einer Pariser Vorstadtschule und inmitten von Unruhestiftern versucht, «Requiem» an die Tafel zu krakeln. Sondern der wohlgesittete Rudolf Steiner-Oberstufenchor (9. bis 12. Klasse) in einer Schule voller Schweizer wird von einem Musikpädagogen darauf vorbereitet, vor ihren Eltern Mozart vorzusingen, während der Arztsohn und die Lehrertochter auch die Solostimme übernehmen dürfen - hier wird etwas erklärt, was man sich auch einfach gut vorstellen kann.

10.04.2006

3

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Kommentare

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Zum Abschied Mozart 5

peterw

vor 11 Jahren

Gerade Argumente, die auf zu wenig Action & Spannung zielen, sind für die einen kein Tabuthema, für andere, für solche mit mehr Verstand und Intellekt, eher eine marginale Sache. Müssen Filme nur noch reglos unterhalten? Für Pascal Blum anscheinend ohne Kompromisse! Wobei der Kritiker das wesentliche übersieht:
Es geht um einen menschlichen (natürlichen) Prozess, der wie er richtig erkannt hat, jeder durchlebte (die Pubertät), doch muss gerade deshalb ein Film mit „ neuen pädagogischen“ Ansätzen, als herkömmlich und langweilig abgetan werden? Vielleicht genoss Pascal Blum eine Pubertät ohne Pubertät, ohne Reibung, ohne Spaltungen? Darum geht es doch genau? Pascal Blum, wenn sie das hier lesen, dann sollten sie in ihrer Welt aufwachen und bitte, bitte den Leuten ein wenig sachlichere Kritiken schreiben. Ich will hier keine großen Argumente liefern, auch keine Argumentationen belegen, sondern den Leuten empfehlen, sich nicht allzu sehr auf die Kritik des Autors zu verlassen.Mehr anzeigen

Zum Abschied Mozart 1

daefeli

vor 12 Jahren

Zu wenig handlung & Action.

Zum Abschied Mozart 4

crazysmile

vor 12 Jahren

Ich selbst bin eine Rudolf-Steiner-Schülerin im letzten Schuljahr und ich muss sagen, dass mir der Film total gefällt!! Jedoch stören mich immer diese eigentlich lächerlichen Kritiken, die die Rudolf Steiner Schule immer als wohlgesittet und schweizerisch darstellen. Klar, die Rudolf-Steienr-Schule hat fast nur Schweizer Kinder in ihren Klassen, jedoch ist es allen Kindern, oder besser gesagt Familien, möglich an der Steiner Schule Anteil zu nehmen. Es sind nicht nur die "Bonzenkinder", die dort in die Schule gehen und sicherlich auch nicht nur die braven Schüler. Wir and er Rudolf Steiner Schule werden als Schüler genauso mit Schwänzen, Mode, Trends und Drogen konfrontiert genauso wie an den anderen Schulen. Nur ist es bei uns weniger offensichtlich oder eher später.. Das wollte ich einfach nur mal klar stellen! der Film selbst ist sicher sehenswert, auch zum zweiten Mal!Mehr anzeigen

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