Tristan & Isolde Grossbritannien, USA 2006 – 123min.

Filmkritik

Liebe und Intrige

Filmkritik: Cindy Hertach

Einmal mehr erfährt der Legendenstoff von "Tristan und Isolde" eine Neuinterpretation, diesmal im kraftgespannten Kontext des Action-Films. Abgesehen von der tragischen, da unerfüllten Liebe und dem Hang zu aufwändigem Schlachtengetümmel, hat Reynolds hybrides Action- und Historien-Melodrama nicht mehr viel mit dem ursprünglich höfischen Roman gemein.

Die einschneidende Kürzung und Umgestaltung der erstmals durch Thomas de Bretagne im 12. Jahrhundert überlieferten Dichtung kann man dem Drehbuchautor Dean Georgaris in Anbetracht des reichlich komplexen Originals nicht verübeln. Beibehalten wurde das skandalträchtige Herz der Legende, die Amour fou zwischen Tristan und Isolde, sowie die kriegerische Rahmenhandlung. Beide Elemente sind geradezu prädestiniert für einen gefühlsgeladenen Blockbuster, wie ihn Regisseur Kevin Reynolds vorgesehen hat.

Der irische König Donnchadh (David Patrick O'Hara) ist mit den Stämmen Englands verfeindet, die er mit aller Gewalt von einer Einigung abhalten will. Während Donnchadhs Versuch, England vollständig zu unterjochen, zettelt Tristan (James Franco), der Adoptivsohn des englischen Führers Lord Marke (Rufus Swelle), einen Aufstand an. Das vergiftete Schwert eines Gegners versetzt ihn jedoch in eine so tiefe Besinnungslosigkeit, dass er für tot gehalten dem Meer übergeben wird. An die Küste Irlands gespült, wird Tristan von Isolde (Sophia Myles), der schönen Tochter des irischen Königs, aufgefunden und heimlich gesund gepflegt. Die heftige Liebe, die sich zwischen den beiden entwickelt, wird von da an nicht nur ihr Leben, sondern auch das Schicksal ihrer verfeindeten Länder bestimmen. Kurz nach Tristans Flucht in die Heimat schlägt König Donnchadh den Engländern einen verhängnisvollen Friedensvertrag vor, welcher die Vermählung von Isolde und Lord Marke vorsieht. Dadurch wird Isolde nicht nur zur Adoptivmutter Tristans, sondern bald auch zu dessen heimlicher Geliebten. Doch die unerhörte Affäre bleibt am Hof nicht lange geheim.

Dank dem erheblichen Einfluss des Produzententeams Tony Scott und Ridley Scott ist mit "Tristan und Isolde" ein bodenständiges und aufwändig inszeniertes Action-Spektakel vor atemberaubenden Landschaftskulissen gelungen. Etwas weniger Sorgfalt kommt leider der Psychologisierung der Hauptfiguren zu, was der handlungstragenden Dreierkiste Tristan-Isolde-Marke sichtlich schlecht bekommt. Mit immerfeuchten Augen schlingert das heimliche Paar unter ständig waghalsigeren Betrugsmanövern seinem tragischen Ende zu, ohne dabei sein emotionales Potential ernsthaft auszuschöpfen. Zwar gehen die beiden sichtlich selbstquälerisch ihrer verbotenen Leidenschaft nach, wirken dabei aber so eindimensional und prosaisch, als wären sie Helden in einem Trivialroman. Glücklicherweise bietet das versiert choreographierte Schwertkampf- und Intrigen-Drumherum etwas entschädigende Unterhaltung für die blasse Liebestragödie.

05.05.2006

3

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Kommentare

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Gelöschter Nutzer

vor 10 Jahren

Die Idee ist gar nicht mal so schlecht, das seit ewigen Zeiten von Richard Wagner bayreuth-mässig besetzte Thema zu verlagern und zwar auf die ebenso uralte Feindschaft zwischen Engländern und Iren. Voller, schnell geschnittener Action-Szenen kann das Abenteuer der immerwährenden großen Liebe durchaus fesseln. Die überwiegend in dunklen Farben gehaltenen Bilder, die die wunderschöne Landschaft nicht aussparen, schaffen Atmosphäre. Erst gegen Ende wird der Kampf etwas unübersichtlich, wenn es um letzte Werte wie Loyalität, Gefolgschaft, aber auch Verrat und Eigennutz geht. Der Text im Abspann versöhnt alle Kritiker wieder und verweist auf den Tatbestand, dass es sich hier um eine Legende handelt, die vielleicht wegen ihrer Unerfüllbarkeit die Menschen immer wieder umtreibt.Mehr anzeigen


sniper8

vor 11 Jahren

kevin reynolds ist ein druchschnittlich erfolgreicher regisseur. keiner seiner filme (bis auf "robin hood" vielleicht) überzeugte wirklich von A bis Z.
auch der film vor "tristan & isolde", "monte cristo" war gut, mehr aber auch nicht.
der film wovon wir nun reden passt in kevin reynolds erzählmuster und man erkennt klar seine handschrift. er schafft eine kalte, aber irgendwie herzliche umgebung, mit polarisierenden figuren, einer einigermassen vorhersehbaren handlung, aber auch mit einer faszinierenden und aufwändigen bildgewalt.
die beiden hauptdarsteller sophia myles und james franco wirken manchmal vielleicht etwas blass, machen ihre sache aber ganz gut.
"tristan & isolde" gehört sicher zu den besseren filmen von kevin reynolds und eins muss man dem regisseur lassen: trotzdem dass seine geschichten nicht immer der hit sind, versteht er es, wie kaum ein anderer regisseur die schönheit und mystik der natur grossbritanniens zu präsentieren.
ich fand "tristan & isolde" völlig okay, wenn nicht noch ein bisschen besser.Mehr anzeigen


siheja

vor 13 Jahren

also, eigentlich bin ich nicht ganz berechtigt, über diesen Film zu kommentieren, da ich ihn nicht gesehen habe. dennoch hat mich die Story beschäftigt und noch mehr, dass der Film schon nach nur zwei Wochen aus den Kinosälen verbannt wurde. meiner Ansicht nach liegt es daran, dass der Film zur falschen Zeit in die Kinos gebracht wurde. dies wäre eher ein Film für die Herbst- und Winterzeit. könnte mir gut vorstellen, dass es um diese Jahreszeit mehr Kinogänger gehabt hätte. denn an den Schauspielern kann es kaum gelegen haben. falls jemand noch nicht in den Genuss von James Franco gekommen ist, dem ist "James Dean" wärmstens zu empfehlen. nicht nur, weil eine gewisse Ähnlichkeit besteht, sondern auch weil er viel Talent besitzt.

da ich halt den Film verpasst habe, kann ich mich nur noch auf die DVD freuen. der Soundtrack ist jedenfalls wunderschön!Mehr anzeigen


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