Superman Returns Australien, USA 2006 – 154min.

Superman Returns

Filmkritik

Warten auf Superman

Filmkritik: Jürg Tschirren

Bryan Singer ("X-Men") bringt - nach langem hin und her - das Comeback des Stählernen auf die Leinwand. Er tut es mit viel Pomp und dem ihm eigenen Geschick zur Psychologisierung der Figuren.

Es gibt dieses Lied der Flaming Lips, das heisst "Waiting for Superman". Der Inhalt des Liedes hat zwar wenig mit dem hier besprochenen Film zu tun, der Song soll aber trotzdem an den Anfang gestellt werden, weil er so schön ist. Und sowieso passt der Titel "Warten auf Superman" dann doch recht gut zu "Superman Returns", aus mehreren Gründen. Da ist zum einen die Vorgeschichte: Seit Jahren im Gespräch, war es als erster Kevin Smith ("Clerks" etc.), der Ende der neunziger Jahre ein Script zum Comeback vorlegte. Tim Burton stand damals als Regisseur fest, bevor das Projekt auf Eis gelegt wurde. Später schrieb J.J.Abrams ("Lost") ein komplett neues Drehbuch, das entweder von Brett Ratner oder McG hätte verfilmt werden sollen - glücklicherweise wurde auch daraus nichts. Wer in der Zwischenzeit alles für die Hauptrollen vorgesehen war, kann hier nicht einmal ansatzweise aufgelistet werden.

"Warten auf Superman" ist auch etwas, das die Filmfiguren in "Superman Returns" getan haben. Fünf Jahre lang war der Stählerne verschwunden und suchte nach den Überresten seines Heimatplaneten Krypton. Gefunden hat er nichts. "The whole Place was a Graveyard", lässt er nur nebenbei wissen. Auch die Erde präsentiert sich wenig paradiesisch: Krieg und Verwüstung allenthalben, wie der Superheld beim Zappen durch die Nachrichtenkanäle sieht. Und als ob das nicht schlimm genug wäre, meldet sich Erzfeind Lex Luthor zurück (überkandidelt: Kevin Spacey) und will mit Hilfe der Technologie Kryptons einen neuen Kontinent aus dem Meer steigen lassen, der Nordamerika auslöschen würde.

Als sich Superman (passt: Newcomer Brandon Routh) darauf in die Lüfte schwingt, den Menschen den Glauben an das Gute zurückzugeben, kommt der eingangs erwähnte Flaming Lips-Song wieder in den Sinn: "To use a crane to crush a fly" heisst es da an einer Stelle, also mit einem Kran eine Fliege zerdrücken. Ein Motto, das auch Bryan Singer beherzigt hat: Er verhilft dem Urvater aller Comic-Superhelden (1932 von Joe Shuster und Jerry Siegel erfunden) mit grösstmöglichem Einsatz zum Comeback. So rettet Superman eben als erstes nicht einfach irgend ein Flugzeug vor dem Absturz, sondern gleich einen Jumbojet. Der auf ein vollbesetztes Baseball-Stadion zu stürzen droht. Und ein Space Shuttle auf dem Rücken trägt.

Aber - und darum ist es ein Glück, dass Singer und nicht ein Pfuscher wie McG auf dem Regiestuhl sitzt - man sieht hier nicht nur Zack, Bumm, Päng. Roter Faden der Geschichte ist weniger Luthors sinistrer Plan, sondern Supermans/Clark Kents Beziehung zu Lois Lane (Kate Bosworth). Wie der Übermensch im Umgang mit der Frau, die er liebt und nun verheiratet und mit Kind sieht, ganz menschlich wird, ist dank Singers Geschick bei der Psychologisierung der Figuren allemal spannender als dieser dumme neue Luthor-Kontinent, der noch nicht einmal einen gescheiten Namen hat.

Vielleicht klang das jetzt zu positiv. Die grossen Action-Szenen, die anrührenden Momente, sie sind alle da. Doch insgesamt wirkt der über drei Stunden lange Film seltsam herzlos, wie eine Pflichtübung. Es mag am Protagonisten liegen: Im Vergleich zu gebrochenen Charakteren wie Batman oder Wolverine war der Gutmensch Superman eben schon immer der Hölzerne, nicht der Stählerne.

18.08.2010

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Kommentare

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cellardoor

vor 4 Jahren

eigentlich ganz okay, aber mit einem älteren schauspieler als superman hätte das ganze ein wenig anders ausgesehen...


movie world filip

vor 7 Jahren

noch ziemlich okay mit ein unbekannte superman in die hauptrolle... spacey hat schon bessere rollen gespielt


300

vor 11 Jahren

Der langweiligste Film den ich gesehen habe, schaut lieber X-Men 3 oder Spider-Man.


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