Prête-moi ta main Frankreich 2006

Filmkritik

Heiratsschwindel mit Nebenwirkungen

Filmkritik: Stephan Sigg

Luis ist Single aus Überzeugung. Seine Mutter und fünf Schwestern wollen diesen Zustand endlich beenden und den Junggesellen verkuppeln. Der sieht seinen einzigen Ausweg darin, eine Schauspielerin zu engagieren, die sich als seine Verlobte ausgibt.

Der 43jährige Parfümkreateur Luis (Alain Chabat) hat es wirklich nicht leicht: Er ist der einzige Mann in seiner aus exzentrisch-emanzipierten Frauen bestehenden Familie. Doch nun treiben es Mutter und Schwestern auf die Spitze: Sie hetzen dem bindungsscheuen Mann heiratswillige Frauen auf den Hals. Kurz vor dem Nervenzusammenbruch kommt Luis die rettende Idee: Er stellt seiner Familie die arbeitslose Emmanuelle (Charlotte Gainsbourg) vor, die für Bares seine Verlobte mimt. Damit sollten alle Probleme - vorerst - gelöst sein. Der einzige Haken an der Sache ist, dass Luis' Familie zwar total begeistert von der Pseudo-Verlobten ist und sie sofort vollends ins Familienleben integriert, Emmanuelle und Luis sich hingegen bald wegen jeder Kleinigkeit in die Haare kriegen.

Auch wenn sehr schnell klar wird, dass es zwischen Emmanuelle und Luis zu knistern beginnen wird, ist "Prête-moi ta main" eine witzige Komödie mit vielen skurrilen Handlungsverläufen und Charakteren. Regisseur Eric Lartigau hat die Crew von den Haupt- bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt. Die Figur der dominanten Matriarchin scheint Bernadette Lafont wie auf den Leib geschrieben. Für witzige Momente sorgt Aïssa Maïga, die zuletzt in "Je vais bien ne t'en fais pas" zu sehen war und nun als coole Businessfrau dem Junggesellen Luis Beine macht.

Zwar haben in diesem Film eindeutig die Frauen die Hosen an, doch Alain Chabat spielt sich mit viel Charme in die Herzen der Zuschauer. "Prête-moi ta main" ist keine seichte Heirats-Komödie, auch wenn sie den locker-unterhaltsamen Ton von Anfang bis Schluss durchzieht und mit der richtigen Prise Ironie gewürzt ist. Doch Lartigaus Geschichte beschränkt sich nicht darauf: Die Charaktere machen im Laufe des Films eine glaubwürdige Entwicklung durch. Das eigentliche Thema Pseudo-Hochzeit gerät in den Hintergrund und setzt sich stattdessen - ohne dabei den Humor zu verlieren - mit dem Wert von Beziehung und Familie auseinander. Emanuelle und Luis zeigen, warum es manchmal so schwer fällt, eine Bindung einzugehen und dass das Single-Leben seine Vorteile hat, es aber trotzdem schöner ist, zu zweit zu sein.

05.09.2007

4

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Kommentare

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jugulator

vor 13 Jahren

Wieder ein französischer Film der es über den Röschtigraben schafft. Für Fans der Sprache natürlich empfehlenswert, für den Durchschnittsfilmgänger der nur die stumpfen Hollywood Ballereien reinzieht wahrscheinlich ein öder Streifen. Mir hat er gefallen, auch wenn es viele bessere Filme aus Frankreich gibt.Mehr anzeigen


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