Pans Labyrinth Mexiko, Spanien, USA 2006 – 119min.

El Laberinto del Fauno

Filmkritik

Pans Labyrinth

Filmkritik: Jürg Tschirren

Es ist ein Fantasy-Märchen im Mantel einer Geschichte über den Spanischen Bürgerkrieg, das uns Guillermo Del Toro hier erzählt - oder umgekehrt. Eine wunderschön gestaltete Fabel, in der die wahren Monster Uniformen der Francisten tragen.

Im Zentrum von Guillermo Del Toros Filmen standen schon immer die Charaktere, die tragischen Helden mit ihren Ängsten und Nöten. Das ist insofern bemerkenswert, als dass Del Torro in Genres tätig ist, in denen für gewöhnlich Special-Effects und Actionszenen die Figurenzeichnung überlagern. Selbst in reinen Auftragsarbeiten wie "Mimic" oder "Blade II" bot der Mexikaner mehr als nur Spektakel, liess ein wenig von der psychologischen Tiefe aufblitzen, die seine persönlicheren Filme wie "Cronos" oder "Hellboy" auszeichnen.

Mit "Pan's Labyrinth" zeigt er sein bislang reifstes Werk. Es ist eine gespaltene, fast schon schizophrene Geschichte, eine Fantasy-Story ebenso wie ein Familien- und Coming-of-Age-Drama und ein Film über den Spanischen Bürgerkrieg. Dass Del Toro alle Elemente harmonisch zusammenbringt, dass hier nichts forciert wirkt und den Fluss der Geschichte stört, grenzt an Alchemie. Womit wir wieder bei der Fantasy wären.

Das Mädchen Ofelia (Ivana Baquero) reist mit seiner schwangeren Mutter durch das Spanien des Jahres 1944. Ziel ist eine Hütte in den Hügeln des Nordens, wohin der neue Mann der Mutter die beiden Frauen befohlen hat. Der Stiefvater (Sergi López) ist ein gefühlloser, brutaler Militär, der die francistischen Milizen der Gegend befiehlt. Ofelia flüchtet sich vor ihm und dem Krieg in eine Fantasiewelt, in der sie als verlorene Königstochter eines unterirdischen Fabelreichs drei Aufgaben erfüllen muss, um in ihre Welt zurückzukehren.

Ob die Faune, Alraunen, Riesenkröten und Monster, die der Zuschauer nun zu sehen bekommt, einzig in der Vorstellung des Mädchens existieren, wird nie klar. Genau so wenig lässt sich sagen, ob Del Toro eine Geschichte über den Bürgerkrieg in den Mantel eines Fantasy-Märchens hüllt, oder ob es genau umgekehrt ist. Ein Umstand, der den wunderschön gestalteten Film zuweilen in die Nähe des Belanglosen rückt.

Ein Kinderfilm jedenfalls ist es nicht. In Ofelias Welt gibt es viele bedrohliche Momente, etwa wenn das Mädchen vor einem Menschen fressenden Monster fliehen muss, dessen Augen in den Handflächen liegen. Die brutalste Szene kommt aber, als Sergi López einen hilflosen Dorfbewohner mit einer Weinflasche brutal zu Tode prügelt. Sowieso, dieser Sergi López - allein wegen einem Blick in seine kalten Augen lohnt sich dieser Film.

28.02.2017

4

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Kommentare

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dulik

vor einem Jahr

"Pans Labyrinth" ist das pure Gegenteil eines klassischen Märchenfilms. Die Geschichte ist düster, brutal und auch ein bisschen verstörend und somit definitiv nicht für Kinder geeignet.
Aber genau deswegen ist dieser Film auch so gut und einzigartig geworden. Die Charaktere haben einen guten Tiefgang und wurden vom ganzen Cast toll und glaubwürdig gespielt.
Hätte man aber den Fokus ein bisschen mehr auf den Fantasy-Teil als auf den Krieg gesetzt, wäre sogar noch ein bisschen mehr drin gewesen.
8/10Mehr anzeigen


Dystarielle

vor 7 Jahren

Was tut ein kleines Mädchen mitten im Bürgerkrieg?
Mit viel Herz und der realen Brutalität schaft Guillermo del Toro ein Meisterwerk.
Es ist kaum vergleichbar mit einem normalen Märchenfilm, da man mit sich mit der Zeit selber die Frage stellen muss, ob das wirklich noch Alice-im-Wunderland-Eigenschaften hat. Der Film überzeugt mit starken schauspielerischen Leistungen und schönen Bildern.
Immer wieder sehenswert und die Geschichte blêibt auf jeden Fall im Gedächtnis.Mehr anzeigen


milenaimlig89

vor 9 Jahren

Pan's Labyrinth ist freigegeben ab 16 Jahren. Keinem Teenager würde ich diesen empfehlen, da es viele brutale Szenen und nur sehr wenige erfreuliche oder schöne Momente beinhaltet. Dieser Film hinterlässt keinerlei positive Gefühle. Ein Film - und kann er auch noch so brutal und schrecklich sein - sollte auch positive Aspekte haben, oder wenigstens einen hinnehmbares Ende. Doch der Schrecken findet kein gutes Ende...Mehr anzeigen


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